Verirrt und verhaftet

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2013/10/22 von Jörn

Verirrt

Der nächste Tag bringt uns problemlos bis nach Durango, dort finden jedoch gerade eine mehrtägiges Kulturfestival und gleichzeitig der Stadtmarathon statt. So fällt es uns schwer im Getümmel ein bezahlbares Hotel UND einen Parkplatz zu finden. Nach mehreren vergeblichen Anläufen landen wir im Hotel Plaza Catedral, eben genau an selbigen und eigentlich innerhalb der Fußgängerzone. Die Concierge

Secure Parking IM Escher-hausversichert uns jedoch ausdrücklich die Moppeds ganz simpel ins Foyer einfahren zu dürfen – cool, Parkplatzproblem erledigt ;-)! Doch als wir den Rest des Gebäudes sehen sind wir dann erst recht vollkommen aus dem Häuschen. Das „Plaza“ besteht aus mehreren (3?) historischen Stadthäusern, die im Laufe der Geschichte wohl übereinander und zusammengewachsen sind. Fassaden ins Nichts, Erker im Lichtschacht, (ehemalige) Außenbalkone innen im Treppenhaus und unterschiedliche Ebenen die keine direkte Verbindung zum Erdgeschoss haben. Wir entdecken zumindest keine Treppe die uns direkt zur Rezeption bringt, sondern müssen immer erst ein Stockwerk nach oben um dann wieder abzusteigen… der absolute Wahnsinn, man fühlt sich als bewohne man ein Gemälde von M.C.Escher! Leider lässt sich dieses schräge Häuser-Konglomerat nicht auf Foto fassen, sehr schade, aber auf jeden Fall eine bemerkenswerte Unterkunft.

Verhaftet

Es ist Wochenende, wir sind in einer Stadt, es läuft ein Festival. Allerdings wird der Curfew des ungeachtet weiterhin ernst genommen. Als plötzlich da weiße Licht in der mexikanischen Karaoke-Bar angeht bekommt man einen Plastikbecher in die Handgedrückt (zum umfüllen der restlichen Biers) und wird flugs kollektiv hinaus auf die Strasse befördert. Dort draußen finden sich zwei Grüppchen grölend (friedlich) und mit Bier in der Hand – beides in Mexico nicht gerne gesehen. Das ganze ist lustig anzuschauen, solange bis plötzlich die Polizei mit fünf(!) Fahrzeugen auftaucht und die Versammlung nicht nur auflöst, sondern gleich auch noch exemplarisch Einzelne aus der Menge festnehmen… unter anderem auch mich. OK, in einem Grüppchen gab’s auch ein paar Langhaarige, von daher ist eine Verwechselung durchaus denkbar. Aber die „bösen“ Buben sind tatsächlich so freundlich die Gesetzeshüter auf das Versehen hinzuweisen. Ich habe zwar keinen Pass dabei, aber ein paar deutsche Worte überzeugen den Schutzmann schließlich dass ich „unmöglich“ mexikanischen Gassenhauer krakeelen kann und so werde ich wieder freigelassen. Am nächsten Tag erfahren wir, das die Festgenommenen nach zwei Stunden die Wache ohne weitere Maßnahmen wieder verlassen durften, nur mein europäisches Verständnis von Verhältnismäßigkeit ist immer noch ein bisschen verhaftet.

Verbuddelt

Der Landstrich des heutigen Staates Durango war schon zu Urzeiten besiedelt, so finden sich heute überall in der Umgebung Zeugnisse der Vergangenheit.

Geister der VergangenheitFelszeichnungen, Steinkalender, Artefakte und auch die Überreste der Bewohner selbst werden in der Stadt auch ausgestellt. Kuriosität: zur sozialen Abgrenzung vom niederen Mob trug man damals in der Oberschicht gerne gezielt deformierte Schädel. Diese Schädel sind nun das Kernstück des kleinen Anthropologischen Museums, welches wirklich aus nicht mehr als vier Räumen besteht, aber bei der Darbietung trotzdem locker mit den Großen mithalten kann. Z.B. keine hässlichen steifen Wachsfiguren in Dioramen, sondern Personen werden in den Szenen durch Plexiglas“schemen“ nur angedeutet. Bilder von Felszeichnungen an der Wand einer künstlichen Höhle, aber zur besseren Erkennbarkeit noch mal deutlich in die Fußbodenfliese eingefräst.

ConeheadZu den Nachbildungen der Ausgrabungstätten führen kleine Leitern hinab ins Untergeschoss zu mehreren verschieden Ebenen, die Tiefen dem Alter entsprechend und farblich schichtweise abgestuft. Wohl bedingt durch Festival und Marathon sind wir die vielleicht einzigen Besucher an diesem Tag und der Wärter hat offensichtlich soviel Langeweile das er uns persönlich durch die Ausstellung führt. Und er hat überhaupt kein Problem damit in die Schaukästen zu greifen und uns die Exponate auch mal in die Hand zu drücken… das ist ausnahmsweise Geschichte mal richtig zum Anfassen.

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2 Kommentare zu “Verirrt und verhaftet

  1. Schembi sagt:

    Es sind doch immer die Langhaarigen….

    Gefällt mir

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