Domo arigato

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2013/10/16 von Jörn

Ins Canyon-Land

Die Vorteile von Schlauchlosbereifung sind unbestritten. Da es der bayrische Premium-Hersteller aber leider nicht schafft seine Einsteigerklasse mit Schlauchlosfelgen auszurüsten muss Nakajima-san für uns in diese Presche springen. Er bietet, als weltweit einziger, Schlauchlos-Umbausätze für unsere BMW und so überweise ich, mit tiefem Vertrauen in den Perfektionismus der Japaner, einige tausend Yen nach Osaka. Bisher funktionierten die japanesischen Dichtstreifen auch absolut tadellos, doch mitten in der Fahrt wird mein Esel plötzlich störrisch. Die Hinterhand ist platt! Auf dem staubigen Reifen ist kein Grund für den Plattfuss feststellbar, auch das Ventil ist dicht, doch nach dem Aufpumpen zischt es laut & heftig und der Reifen hält maximal 5 Minuten Druck. Sollte das Nippon- Patent doch nichts taugen?? Wir sind zurzeit auf

Pump&Go

Pump & Go

einer Abkürzung unterwegs die auf der GPS-Karte allerdings garnicht existiert, haben keinen Wasservorrat mehr und nur noch zwei Stunden Tageslicht, doch auf meinem Navi wird in nur ein paar Kilometern Entfernung eine richtige, echte Strasse angezeigt. Also hangeln wir uns erstmal mit fünfmaligem „Pump & Go“ bis zur nächsten Siedlung durch. Diese besteht jedoch nur aus einer handvoll einfachen Behausung, keine Unterkunft oder gar ein Reifenflicker für uns. Wir stecken bereits seit zwei Tagen in unseren Klamotten, sind heute morgen um 7oo von der Nacht-Fähre gestartet und seither fast 500 km am Stück unterwegs. Zur nächsten Stadt sind es noch 50 km, wir sind mitten im Gebirge und die Dämmerung bricht gleich herein… warum müssen Pannen immer genau an solchen Tagen passieren? Aber im Dörfchen gibt es wenigstens Schatten und Getränke und nach dem Abspannen des kompletten Gepäcks, einigen Minuten Pause und ein paar kühlen Schlucken wird die Fahndung noch mal aufgenommen. Und tatsächlich findet sich nun ein Eindringling: ein kleiner Nagel hat sich, ganz geschickt quer zwischen Profilblockrand und Reifendecke in die Karkasse eingearbeitet. Ich nehme augenblicklich sämtliche japanischen Flüche zurück und die Zange zur Hand. Nagel raus, Pfropfen rein und nur zehn Minuten später rollt die Moppedrunde wieder- so einfach

So flickt man heute Reifen

So flickt man heute Reifen

kann das Leben sein! Der Sonnenuntergang ist genauso spektakulär wie die Landschaft, aber dafür haben wir leider gerade kein Auge frei. Erst im Dunkeln kommen wir in Yecora an, aber als ich endlich unter der warmen Dusche stehe dämmert es mir: mit einem Schlauchreifen würden wir jetzt wohl immer noch fluchend irgendwo im Nirgendwo sitzen… Ein Hoch auf die Japanische Technik – Domo arigato gozaimashita, Nakajima-san!

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Die Loks des ChePe

Die Loks des ChePe

Jahrzehntelang gab es für die Dörfchen in Taramura und dem Canyon-Gebiet (bekannt unter dem Sammelbegriff „Barranca de Cobre“ – die Kupferschlucht) nur eine einzige zuverlässige Verbindung zur Außenwelt, den Zug ChePe, der 1x täglich zwischen Los Mochis und Chihuahua verkehrt. Zu unwegsam ist das Gelände rund um den Kupfer-Cayon, steigt steil von Meereshöhe auf 2300m an und ist tiefer und 4x größer als der Grand Cayon.

3-Cayon-Blick

3-Cayon-Blick

Doch Mexico investiert viel Geld in diese strukturschwache ...viel Fahrspaß!Region und, zumindest von der Hocheben im Norden her werden immer mehr Asphaltstrassen immer tiefer in die Täler hinein gelegt. Das freut natürlich den Biker 🙂 .

Creel als Ortschaft selbst ist nicht besonders sehenswert, aber es liegt zentral, inmitten einer reizvollen Landschaft und ist Verkehrsknotenpunkt – somit ein vortrefflicher Ausgangspunkt für die Erkundung des Canyon-Country. Wenn auch ein kalter. Selbst wenn der ganze Rest Mexico´s kocht, hier ist Pulli angesagt! Krasser kann der Kontrast der alpinen Kiefernwälder zu den Wüstenlandstrichen der Cortez-See nicht sein, die eigentlich nur ein paar Stunden Fahrt entfernt liegen.

Kaskade von Basaseachi

Kaskade von Basaseachi

Wir genießen ein paar Tage lang die Frische und die nagelneuen Strassen durch die eindrucksvolle Landschaft der Mesa Creel, solange bis uns unsere ständig kalten Füße nerven. Nur ein Ziel gilt es vorher noch anzufahren, Batopilas hegt noch einen Schatz für uns!

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Der Schatz im Silberloch

Wir wollten Batopilas, aber Batopilas wollte uns nicht. Dieses Dörfchen liegt selbst für Taramura-Verhältnisse abgeschieden. Tief unten im Tal versteckt (von der Sohle bis hinauf zur Mesa sind 1800(!!) Höhenmeter zu überwinden), weit abseits der Bahnstrecke und daher nur über eine Piste entlang der steilen Cayon-Wand erreichbar. Dort haben die Krad-Vagabunden seinerzeit einen „Schatz“ vergraben, den wollen wir uns holen! Doch wir haben Pech. So wichtig der Straßenbau auch für die Bewohner dieser isolierten Gegend sein mag, der Rettung des Schatz im Silberloch steht er entgegen. Gerüchte hatten es schon angedeutet und großräumig wird auf Schildern darauf hingewiesen- die Strasse nach Batopilas ist gesperrt. „Leider“ sind wir jedoch mit einer temporären Zweckblindheit ausgestattet und übersehen diese Schilder.

Abstieg zum Talgrund

Abstieg zum Talgrund

Die 70 km lange Verbindung von Batopilas zur Hauptstraße wird schon seit Jahren langsam Stück für Stück asphaltiert, da lassen wir uns von einer kleinen Baustelle nicht abschrecken. Doch diese liegt momentan inmitten der steilsten Strecke des Abstiegs, eine Umfahrung ist absolut unmöglich. Wir machen uns ganz „klein“ und fahren einfach in die Baustelle ein. Der erste Bautrupp lächelt noch freundlich, doch dann winkt uns der Bauleiter ab –„no pasaje“. Nur 35 km von Batopilas entfernt ist also endgültig Schluss. Die Umfahrung „außen“ herum würde uns zwei weitere komplette Pistentage bescheren, uns steht der Sinn jedoch nach etwas weniger Kälte und etwas mehr Stadt… und so wartet der Schatz noch immer auf einen mutigen Finder.

Der Beute-jochie und das Love-Hotel

Ein Gutes hatte jedoch die vergebliche Anfahrt Richtung Batopilas: wir haben einen Holländer adoptiert!  Auf dem Rückweg zur Hauptstrasse kommt uns unerwartet ein anderes Fernreise-Motorrad entgegen, das erste auf der Moppedrunde. Wir halten ein Schwätzchen mit dem Fahrer, er wollte ursprünglich auch nach Batopilas, aber nach unserem kurzen Lagebericht entscheidet auch er sich zum umdrehen und folgt uns aus dem Canyon-Land heraus. Maarten ist erst 23, hat sein Studium gerade beendet, vor ein paar Monaten den Motorrad-Führerschein gemacht, sich anschließend eine KLR 650 gekauft und ist damit sodann alleine auf Weltreise gestartet –  ¡Ay, caramba! das hat SONY DSCschon cojones! Ein ganz pfiffiges Kerlchen und macht fehlende Erfahrung einfach durch Angstfreiheit wieder wett ;-). Wir hängen ihn an die Moppedrunde an und da unser eigentliches Tagesziel ja entfällt fahren wir gemeinsam Richtung Durango bis die Dämmerung hereinbricht und suchen uns das nächstbeste „Auto-Hotel“.

Unser erstes "Love"-Hotel

Unser erstes „Love“-Hotel

Diese Hotels, direkt an den Ausfallstraßen am Rande der größeren Städte, bieten ein äußerst gute Preis/Leistungs-Verhältniss, Diskretion und Sicherheit. Benutzt von jungen Pärchen die der elterlichen Überwachung entfliehen wollen (oder auch ältere Pärchen die der ehelichen Überwachung entfliehen wollen…)  sind Ein- und Ausfahrt nicht einsehbar, Kontakte zum Personal nur sehr eingeschränkt und, das ist das Wichtigste für uns, jedes Zimmer verfügt über eine direkt angeschlossene eigene Garage ;-)! Große Zimmer, große Betten, große Dusche; wer auf eine Innenstadtlage verzichten kann oder will findet hier ausgesprochen günstige Unterkunft, bei der sich auch keiner schert wenn drei Jungs sich ein Zimmer teilen (ein Schelm wer Böses denkt!).

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2 Kommentare zu “Domo arigato

  1. Panny sagt:

    Schade, daß es mit dem Silberminen-Schatz nicht geklappt hat, aber Euch kann wahrlich nicht vorgeworfen werden, daß Ihr keine Kampfgeist gehabt hättet!

    Den Hang zum Ignorieren solcher Schilder teilen wir übrigens mit Euch:-)

    Hattet Euer Love-Motel auch TV mit „Erwachsenen-Kanälen“?
    Die Absteigen sind echt der Hammer – mit ihren Garagen wie geschaffen für abrödel-faule Krad-Fernreisende:-)

    Gruß von zwei Krad-Vagabunden, die bald „am Ende“ sind

    Panny & Simon
    http://www.krad-vagabunden.de

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