Eiliges Tal

3

2014/06/13 von Jörn

Rückenwind

Die Pässe im Hinterland sind teilweise schon verschneit, die Hauptstrasse führt im weiten Bogen über Arequipa nach Cuzco. Beides suboptimal. Aber es gibt eine Alternative, eine direkte und sehr schöne. Die „3S“ von Nasca über Abancay nach Cuzco gehört mit

Cerro Blanco, die vieleicht höchste Düne der Welt

Cerro Blanco, die vieleicht höchste Düne der Welt

Sicherheit zu den interessantesten Motorradstrecken in Peru. Steil von der Küste weg auf 4000m ansteigend windet sich die “3“ nicht nur am Cerro Blanco, der mit über 2000m größten angeblichen Sanddüne der Welt vorbei, sondern durchschneidet im weitern Verlauf sämtliche Landschaftszonen Perus, einmal quer über die Anden, durch tiefe Schluchten, grüne Täler und karge Hochebenen. Innerhalb kürzester Zeit wähnt man sich

Auf der perunischen Hochebene

Auf der perunischen Hochebene

erst im Oman, kurz später in Schottland, ein Paß später dann unvermittelt aber zweifelsfrei in Peru. Die Luft ist dünn, aber klar, und ein beständiger Rückenwind schiebt mich sanft durch die Szenerie. Nur ein klein wenig muss ich die rechte Hand drehen um mit 140 über den hier makellosen Asphalt zu gleiten*. Der Körper fühlt sich schwerelos, der Kopf ist es schon lange!

Auch ohne die vielen Foto-Stops wäre die Strecke nicht einem Tag zu schaffen (warum auch?), einer der wenigen Übernachtungsplätze entlang ist Abancay. Doch dieses Abancayerscheint wie eine Fata Morgana, zum Greifen nah und doch außerhalb der eigenen Reichweite. Ewigkeiten hat man die Stadt schon im Visier, doch man kommt nicht hin?! Sage und schreibe 45 Minuten lang kann man Abancay schon direkt vor sich sehen, doch immer wieder kräuselt sich die Strasse längs in ein Seitental, entfernt sich, kommt wieder frontal auf Abancay zu, nur um erneut in einer Senke zu verschwinden. Schaut auf Maps nach, was aussieht wie ein Spaghetti-Unfall ist tatsächlich die Trassenführung. :- )

*(und nebenbei ein neuer Verbrauchsrekord mit nur 3l/100Km!!)

 

Die Schöne

Die Gassen von San Plas

Die Gassen von San Plas

Cuzco, die Quechua vermuteten hier „qosq´o“, den Nabel der Welt. Doch als ich zur Nabelschau starte bin ich erschreckt. Eine Invasion! Fast 500 Jahren nach den Spaniern ist eine noch mächtigere Legion einmarschiert, die der Touristen. Zwischen all den Reisebussen, den geführten Gruppen, den Kitschverkäufern und Tracht (und manchmal Lama-) tragenden Fotomodellen, den Restaurantschreiern und Masseurinnen tummeln sich

Zu viele Touries? Einfach ausblenden

Zu viele Touries? Einfach ausblenden

fast ausschließlich Touristen. Überall. In den schicken Lokalen, Museen und den vielen Kirchen … und zu absoluten Wahnsinnspreisen. Ich darf nicht maulen, schließlich bin ich ja genauso Rädchen im Getriebe, diesem Ausverkauf mag ich jedoch nur ungern sehen. Aber weder Pizarro, noch die endlosen Gringo-Massen haben es bisher geschafft, trotz aller angestrengten

Plaza mit Kathedrale

Plaza mit Kathedrale

Versuche, Cuzco final zu zerstören, endgültig seiner Schönheit zu berauben. Ein Besuch der gebührenpflichtigen „Attraktionen“ ist aber eigentlich gar nicht mal zwingend nötig, Cuzco selbst ist Freilichtmuseum genug. Abseits der unbezahlbaren und überlaufenen Attraktionen findet sich irgendwo zwischen Inkamauer, Kolonialarchitektur und Wiphalas noch Plätze wo das Hochgefühl nicht nur durch die dünne Höhenluft ausgelöst wird. Hier ist die Stadt selbst die Attraktion. Ich hoffe Cuzco gibt nicht auf, widersteht nach Spaniards und Erdbeben nun auch dem totalen Ausverkauf, bleibt Cuzco die Schöne.

 

Im eiligen Tal

Cuzco kann schon fesseln, aber einen eiligen Abstecher in Valle Sagrado leiste ich mir trotzdem. Die Salinas von Maras, mehrere hundert Mikrobecken zur Salzgewinnung

Salinas vom Maras

Salinas vom Maras

schmiegen sich hier pittoresk an einen steilen Hang, sind einen Ausflug wert. Dies meinen zwar mehrer Busladungen voller Touristen auch, aber wer mit der Dame am Tor freundlich flirtet darf sogar mit dem Motorrad weiter hinein als die Busse, über den Parkplatz hinaus direkt auf das Gelände. Weiter hinten, dort wo die Salinen noch wirklich in Betrieb sind und sich keine Besucher mehr hinwagen kann man ungestört genießen. Und für die die ganz mutig sind (ich war es nicht) noch ein Extratipp: der schmale Eselspfad am unteren Ende der Salinen führt, statt der 30 Km über die Strasse, auf direktem Weg hinunter nach Urubamba.

Weiter unten im Tal führt eine kleine Fußgängerbrücke über den Rio Urubamba hinüber, der Feldweg dahinter zeigt grob Richtung Moray… ich lasse es auf einen Versuch ankommen.

Blick ins Valle Sagrado

Blick ins Valle Sagrado

Muy bien, denn nach einer netten Fahrt heraus aus dem Valle (ein freundlicher Local zeigt mir an der einzigen Kreuzung den richtigen Abzweig) komme ich wirklich in Moray an – und zwar von hinten. Ich habe mich ja schon über die (IMHO) unangemessenen Touristen-Preise für peruanische Sehenswürdigkeiten ausgelassen – und über die Konsequenz mit der diese eingetrieben werden, oder? Und Dank dieser Umstände, und dem das ich die Anlage von der Rückseite anfahre, erlebe ich etwas wirklich Einmaliges: ich bin alleine auf weiter Flur, der wild gestikulierende Peruaner am Horizont kann eigentlich nur mich meinen. Und tatsächlich ist es ein Ticketverkäufer der –Achtung –auf mich zu RENNT! 😀

in fantastischer Lage.

in fantastischer Lage.

Ich muss zwar schmunzeln über soviel ungewöhnlichen Arbeitseifer, aber die Anlage ist den Eintritt durchaus auch wert. Die Terrassenanlagen sind kein Theater (wie die Spanier dachten) sondern eine botanische Versuchsanlage in der die Quechua versuchten Tieflandpflanzen an das Hochlandklima anzupassen – und das vor einer phantastischen Kulisse. Dies ist ein würdiger letzter Stopp für meine erste Peru-Etappe, doch nun locken mich langsam die einzigartigen Landschaften von Bolivien …

Ein paar eilige Fotos vom Weg zum und aus dem Valle Sagrado findet ihr unter: https://moppedrun.wordpress.com/aussichten/peru/

 

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3 Kommentare zu “Eiliges Tal

  1. Hat dies auf Chirimoya Tours Peru Reiseveranstalter rebloggt und kommentierte:
    Motorradtour von Arequipa über Abancay nach Cusco und ins Heilige Tal der Inkas. Zu den Pässen im Hinternland könnte man sagen die sind schon verschneit da jetzt für Peru der Winter kommt.
    Kann aber nirgendwo eine Blog Like Funktion oder dergleichen finden wenn ich richtig sehe, schade. Grüsse aus Lima.

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    • Jörn sagt:

      Hallo Martin,
      du hast natürlich recht, „schon“ ists korrigiert 😉 Auch das like werde ich gleich mal testen, muss mal die Nutzeransicht probieren…
      Danke für die Hinweise!

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  2. […] von Arequipa über Abancay nach Cusco und ins Heilige Tal der Inkas. Zu den Pässen im Hinternland könnte man sagen die sind schon verschneit da jetzt für Peru der […]

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