Am Arsch der Ente

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2014/05/23 von Jörn

Eine der bekannt spektakulären Moppedstrecken in Peru ist der Canon del Pato, die Entenschlucht. Wo dieser Name herkommt ist total schleierhaft, findet man hier doch alles, schmale Geröllpisten, enge Kurven, tiefe Schluchten, ein Menge unbeleuchteter einspuriger Tunnel.. aber keine Enten! Die schönsten Ausblicke ergeben sich wenn man

Einstieg zum Pato-Canyon

Einstieg zum Pato-Canyon

die Strecke von Norden her befährt, auf die Berge zu, die Schlucht als Einstieg zum Im Callejón de Huaylas benutzt. Der Callejon, der Korridor zwischen Cordillera Negra (mit 4000m) und Cordillera Blanca (mit 14 über 6000 m hohen schneebedecktem Gipfeln), sonst etwa 15-20 Km weit, verschmälert sich hier im Pato bis auf 6 Meter, fast stoßen hier die Kordilleren zusammen. Ein schmaler Graben mittig, links wie rechts 4000 Meter Höhenunterschied.

Von Santa aus führt die Trasse, schon recht nett und zuerst noch geteert, entlang des Rio Santa. Selten scheinen sich hierher Motorradtouristen zu verirren, sind wir bei der Mittagsrast doch plötzlich von so vielen Schülern umringt das tatsächlich ein

Im Pato-Canyon

Im Pato-Canyon

Schutzmann dem Treiben ein Ende setzt ;-). Tiefer im Cayon wird es einsamer, nur ab und zu sorgt ein LKW für kribbelige Situationen auf der schmalen Piste, ansonsten recht ganz alleine die Landschaft um eine angenehme Aufregung zu erzeugen. Einige Abstecher, die spektakulär die Seitenwände des Tales erklimmen machen neugierig, dies ist absolutes Enduro-Wanderland! Aber wir kommen nicht ganz so fix wie erhofft vom Fleck….

 

Einer Sache begegnet der Individual-Fahrende in Peru deutlich öfters als ihm lieb sein kann: Straßensperren. Sei es eine Sportveranstaltung, eine politische Demonstration oder Bauarbeiten, egal, sofort werden ohne zu zögern selbst Hauptstrassen

Peruaners liebstes Hobby

Peruaners liebstes Hobby

stundenlang einfach komplett für den Verkehr gesperrt. So auch hier im Canyon. Bis 17.30 ist kein Weiterkommen, tragisch, wird es in einer halben Stunde doch dunkel und bis zum nächsten Städtchen Caraz sind noch 40 gebirgige Kilometer zurückzulegen. Als die Schranke sich endlich öffnet spielen sich Paris-Dakar-gleiche Szenen ab. Der angestaute Verkehr prescht um gute Positionen ringend in die Serpentinen. Eingekeilt zwischen der schellen 4×4 (die uns in den Kurven immer mehr Meter abnehmen) und der Bus- und LKW- Horde donnern wir durch den schönsten Teil des Pato, eigentlich eine Strecke die man mit viel mehr Muße fahren sollte. Doch Zeit und Schwerverkehr drängen uns immer weiter vorwärts, zumindest solange bis mein Esel plötzlich anfängt zu bocken. So ausgefahren ist die Strecke nun auch nicht um das heftige Pendeln zu erklären, ein kurzer Halt an einer halbwegs machbare Stelle bringt Bestätigung: ein mindestens 7mm breiter Riss im Hinterreifen. Ich schaue mich um, die Aussicht ist dramatisch, wir stehen genau an der engsten Stelle der Schlucht, dort wo sich Piste und Fluss nur sechs Meter teilen müssen.

Die 6-Meter-Stelle

Die 6-Meter-Stelle

Ungünstiger hätte der Platz nicht sein können, hier sind wir wirklich am hintersten Teil der Schlucht. Warum passiert so etwas immer nur an solchen Stellen, nach langen Fahrtagen spätnachmittags? Noch nie hatte ich einen Plattfuß zB morgens um 10oo, direkt vor einer Reifenbude …Grummelgrummel.

Es fängt an zu nieseln, es wird dunkel und die LKW fahren uns fast über die Füße während wir versuchen den Riss mit dem breitesten unserer Flicken und viiiiiiiel Kleber wenigstens halbwegs abzudichten.

 

Ein Bautrupp des hiesigen Wasserkraftwerks (alle die spektakulären Wege in dieser Ecke verdanken ihre Existenz ausschließlich der Wasserkraft) kann auch nicht mehr tun als uns zu versichern, das die Fahrbahn bis Caraz gut und in weniger als einer Stunde befahrbar ist. Vorsichtig tasten wir uns durch die Nacht, aber das Provisorium hält zum Glück genug Luft um wenigstens in einem Rutsch bis ins Städtchen zukommen.

 

3 Kilo Gummi

Der hiesige Moppedmechaniker kann zwar am nächsten Morgen nicht mit direkter Hilfe für Schlauchlosreifen dienen, hat aber überraschenderweise keinerlei Mangel an Werkzeug und Know-How. Die hier gängigen Top-Modelle von Pulsar fahren auf hohem

Beim Moppedschrauber

Beim Moppedschrauber

technischem Niveau (Einspritzer, Wasserkühlung, 3-Scheibenbremsen), so das kein nennenswerter Unterschied zur BMW-Technik besteht, sogar Torx-Schlüsselsätze sind vorhanden! Ich staune, das hat nicht mehr viel mit Drittweltmechanik zu tun. Ohne zu Zögern wird das Hinterrad demontiert und weitergereicht. Erfreulicherweise ist der benachbarte LKW-Reifenflicker dann mit der Größe des Lochs nicht überfordert und nur 30 Minuten später, und nur ca 3 Kilogramm Vulkanisiermasse schwerer, bin ich wieder rollbereit und auf dem Weg tiefer in den Callejon….

 

Huaraz ist hässlich!

Im kompletten Kontrast zu der sie umgebenden Natur sind wohl alle peruanischen Städte, naja, ich sag mal eher „praktisch“ orientiert, und Huaraz sichert hierbei mit Sicherheit die Erstplatzierung. Fairerweise muss man erwähnen das Erdbeben, Erdrutschen und ähnliche Ereignisse in wiederkehrenden Intervallen gelegentlich sogar ganze Ortschaften auslöschen und ein Wiederaufbau findet in allen Fällen jedoch vollkommen lieblos und frei von Ästhetik statt (und nicht das die unversehrten

Huaraz Ortsausgang

Huaraz Ortsausgang

Stadtteile hübscher wären). Huaraz , liegt im Schatten der höchsten Gipfel de Landes, liegt mitten in der „Schweiz“ Perus, ist aber von der Pitorreske eins eidgenössischen Alpendörfchens meilenweit entfernt. Im Nachhinein würde ich empfehlen die atemberaubende Gegend des Im Callejón de Huaylas eben NICHT von der namensgebenden Stadt, sondern lieber von nördlichen Caraz aus zu erkunden, sind doch auch vom zentral gelegenen Huaraz aus immer ein-zwei Stunden Anfahrt nötig.

Laguna Llanganuaco

Laguna Llanganuaco

Neben den bekannten Highlights (Laguna Llanganuaco, Sta. Cruiz–treck, auch in zwei Tagen mit dem Mopped fahrbar und sehr empfehlenswert) gibt es kurz vor Caraz noch einen kleinen Geheimtipp. Die Strasse 104 durchs Dörfchen Pueblo Libro führt laut Karte zu einem Wald der, sonst lieber einzeln stehenden, Puya Raimondi, einer schlanken, bis zu 10 m hohen Ananas, die nach einmaliger Blüte abstirbt und nur in dieser Höhe anzutreffen ist. Besagten „Wald“ habe ich zwar nicht gefunden, doch das Sträßchen hinauf auf die C. Negra ist mehr als aufregend. Auf Karte nur grau gestrichelt, im GPS sogar garnicht vorhanden, handelt es sich um eine zwar höchstens

Die C.Blanca in (fast) ganzer Länge

Die C.Blanca in (fast) ganzer Länge

2,5m breite, aber durchgehend geteerte Fahrbahn, die sich in 49 Spitzkehren (selbst gezählt!) aus dem Tal heraus schlängelt. Mit jedem Meter gewonnener Höhe öffnet sich der Blick, wird die Sicht weiter. Genau in der Mitte des Callejon gelegen erfasst in der glasklaren Luft die Fernsicht hier die ganze Länge der C.Blanca. Mehr als 50 Gipfel über 5700, alle dicht vergletschert und blendend weiß. Ich muss anhalten. Hier wird einem Schwindelnd vor soviel Schönheit, hier wird man kurzfristig manisch.

Auf der 104

Auf der 104

Von der nahen Küste her wärmt die Luft und selbst auf 4000m kann man ohne Handschuhe fahren. Ich wende an der Passhöhe und gleite zurück. Steil genug ist das Sträßchen, so bleibt beim Rückweg der Motor aus und nur das Abrollgeräusch der Reifen ist mein Begleiter hinunter in den Callejon. Das ist fast schon wie Fliegen ohne Flügel, näher kommt man dem Gefühl der Schwerelosigkeit wohl kaum so einfach….

 

Bilder aus der berauschenden Bergwelt Perus gibt’s unter: https://moppedrun.wordpress.com/aussichten/peru/

 

Ps: das Sträßchen (104) stößt ca 110 Km weiter westlich wieder auf dem Küstenhighway und bietet somit einen weiteren, dritten Weg von der Küste in den Im Callejón de Huaylas. Nicht nur bei gesperrtem Pato-Canyon eine echte Alternative!!

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