Tungurahua

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2014/05/04 von Jörn

Ich fahre den Loop noch bei bestem Sonnenschein zu Ende, nur der Cotopaxi versteckt sich später im Nebel. Was soll’s, ich habe die letzten Tage soviel ergreifende Landschaft gesehen, das soll reichen.  Also im Eiletempo nach Latacunga, dem „Zentrum“ des Valle

Abendhimmel über...

Abendhimmel über…

del Volcanos. Insgesamt 73 Feuerberge drängen sich in dem kleinen Land – das ist die höchste Vulkandichte weltweit und 17 davon gelten als aktiv. Nicht weniger als neun Vulkangipfel sind von Latacunga aus zu sehen, ein wirklich netter Anblick, vor allem zum Frühstück! Dies fällt extra praktisch aus, denn in hiesigen Supermarkt wird der Schinken bereits vollständig mit Käsescheiben bestückt verkauft. DAS nenn ich doch mal ne echte Innovation 😉

Ecuador ist nicht groß, etwa 1/4 kleiner als Deutschland, die Distanzen überschaubar. So kann man sich schön treiben lassen und den kurzen Sprung nach Baňos hüpfe ich über kleine Hinterlandstrassen (fürs Navi: über Patate). Nicht spektakulär, aber angenehmer als über die Autobahn zu schrubben (die in Ecuador übrigens auch für Motos Geld kostet. Keine großen Summen, aber recht hinderlich). Ich komme vor Mittag an und habe sogar noch Zeit sofort mit dem Sightseeing zu beginnen. Schon die

DIE Schaukel an der Casa de Arbol

DIE Schaukel an der Casa de Arbol

Anfahrt zur berühmt-berüchtigte Schaukel am Casa de Arbol ist berauschend, bewegt man sich hier in den Anden doch nicht nur einfach auf einer ebenen Linie von A nach B, hier er“fährt“ man eine ganz neue Größe, hier kommt die dritte Dimension beim Fahren hinzu. Fast egal in welcher Richtung, aus Baňos heraus geht es immer in 3D, immer bergauf, meist mindestens 500 steile Höhenmeter. Besagte Schaukel ist einmalig und um das zugehörige Baumhaus herum sitzen junge Reisende aus aller Welt zum Picknick. Ein angenehmer Ort und ein angenehmer erster Eindruck von Baňos. Baňos mit Kurbad zu übersetzten wäre zu einfach, ja, es gibt Thermalquellen, unzählige Massagepraxen und feine Restaurants (hier mal den Schwyzer Röstitempel wohlwollend erwähnt), aber darüber hinaus liegt Baňos extravagant auf einer kleinen Eben, eingekeilt zwischen

Baňos

Baňos

aktiven Vulkanen, ist Einfallstor zum Amazonasbecken und Actionsport-Mekka. Drüber hinaus besticht das Örtchen durch eine aktive Kneipenmeile und ist klein genug um alles zu erlaufen. Es ist als also für jeden Geschmack etwas dabei. Ein ruhiger Ort ist allerdings etwas anderes. Als ich abends noch schnell mein Beautycase aus dem Seitenkoffer holen will schaue ich kurz hinauf zum Abendhimmel … und mein Atem stockt. Ich winke dem Patrone, der vollkommen emotionsfrei bestätig: Ja, das ist eine Eruption! Eine zehn Kilometer hohe, von der untergehenden Sonne glutrot angestrahlte Aschewolke bläht gerade über mir in die Atmosphäre. Barfuss, ich war ja gerade auf dem weg in die Dusche, laufe ich auf die Strasse. Aber dort kein Anzeichen der geringsten Aufregung (höchstens nach dem blöden Touri ohne Schuhe wird geschaut).

Abendprogramm in Banos

Abendprogramm in Banos

Es wird zwar der Polizeifunk aufmerksam verfolgt, aber lediglich die beiden dem Krater am nächsten gelegene Ortsteile werden vorsorglich evakuiert. Der Tungurahua ist vom Stromboli-Typ, dh ständig etwas aktiv, viel Asche, wenig Lava und kaum Explosionen und die Einheimischen sind ganz froh wenn der Berg alle zwei, drei Monate etwas Druck abbaut (so erst vor 8 Wochen geschehen). Hier kommt keiner aus der Ruhe wegen ein bissrl Dampf und wenn die Einwohner wieder in ihre Dörfer zurück wollen werden die zur Bewachung abgestellten Militärs schon mal mit der Machete vertrieben ;-). Doof ist nur das ich gerade gestern der besorgten Familie (es gab eine Tsunami-Warnung wegen eins Erdbebens) nach Hause gekabelt habe: „alles in Ordnung, ich bin in Baňos, in den Bergen, da kann nix passieren“ …

Abends treffen wir Andre und Greg wieder, mit denen wir schon in Bogota unterwegs waren, später gesellen sich noch die Kanadier hinzu die ich mittags beim Schaukeln getroffen habe…. Ein Abend voller Brahma-4für5$-Bier beginnt. Baňos macht seinem Ruf als Action-Zentrale Ecuadors alle Ehre!

Über Baňos

Über Baňos

Am nächsten Tage befahren wir die Wege in den Bergen gegenüber des Tungurahua, immer in der Hoffnung noch einen besseren Blick auf den Asche speienden Gipfel werfen zu können. Die meisten Wege sind zwar Sackgassen, doch das tut dem Spaß keinen Abbruch. Wir sammeln einen müden Wanderer auf und bringen Jose die letzten Meter hinauf zum Ojo del Volcan, dem Aussichts-Cafe mit Kraterblick. Hier verbringen wir einen vergnüglichen Nachmittag, begleitet vom gelegentlichen tiefen Grummeln der Eruptionen- und wenn nicht jeden Abend heftiger Regen einsetzen würde (aber in Ecuador ist das ok – hier ist wenigstens gerade offiziell Regengzeit), würden wir auf der Wiese hinterm Cafe zelten dürfen. Bei Wolkenfreiheit Lavasichtung garantiert. Mein Ausflugstipp für Baňos!

Wem das Zugucken beim „Bungee“-springen zu langweilig wird (das hier ohne Gummiseil praktiziert wird!) kann sich einer ganz anderen gummiartigen Herausforderung stellen: dem Cuy! Lustig die Zähne zeigend drehen diese sich hier am Grill. Diese Meerschweine, viel größer und extra für den Verzehr gezüchtet, entsprechen sie nicht ganz den europäischen Kuscheltier-Klischee. Früher in den Andenländern

Meerschwein

Meerschwein

eigentlich ein „Arme-Leute“-Essen werden sie heutzutage zu gehobenen Preisen in spezialisierten Marktständen angeboten. Viel ist nicht dran an so einem Schweinchen. Zumal die Schwarte ziemlich zäh ist und das Fleisch wie beim Hühnchen von den Knochen genagt werden muss. Schmecken tut es allerdings nicht schlecht!

 

Saumäßige Bilder wie immer unter https://moppedrun.wordpress.com/aussichten/ecuador-2/

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