Looping

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2014/04/28 von Jörn

Der Quilatoa-Loop

Manchmal wird Mut belohnt, aber Dummheit wird immer sofort bestraft. So auch heute. Gerade als ich Canoa verlassen will fängst es an zu regnen und ich verschiebe die Abfahrt Stunde um Stunde. Bis ich endlich auschecken kann und geladen habe ist es bereits nach 10 Uhr. Ich wähle für heute natürlich eine andere Strecke als die über die ich bereits angereist bin. Entlang der Küste sind die Strassen noch ok, doch in dem Moment wo die E30 ins Richtung Küstengebirge schwenkt verschwindet augenblicklich der Teer (obwohl in der Karte als rote Linie eingetragen). Grobe, ausgewaschene Schlaglochpiste die sich eng und steil über die Berge windet, wenn mich hier der Regen einholt ist Ende mit fahren. Ich habe Glück und es bleibt trocken (zumindest vorerst), aber als ich um 13.oo Uhr erst gerade mal 60 Km zurückgelegt habe, kommen mir berechtigte Zweifel ob ich das Tagesziel Zumbagua, den Einstieg zum sogenannten Quilatoa-Loop- immer noch über 200Km entfernt, überhaupt erreichen kann. E30 bedeutet wahrscheinlich; „30 Jahre Erosionsschäden“ 😦 .

Doch später in der Ebene liegt, zum Glück, wieder schöner glatter schwarzer Teer. Eine einheimische DR, die es offensichtlich seeeehr eilig hat, gibt mir einen guten Schrittmacher und ich hänge mich an ihr Rücklicht. Mit diesem Schnitt könnte ich es wirklich noch bis in die Berge schaffen … doch mit dem Anstieg zum Zentraltal kommt der Regen wieder auf den Plan. Pässe sind ja immer auch Wetterscheiden und man betet bei jeder Auffahrt inständig bereits auf der schlechteren Seite unterwegs zu sein, auf

In die Berge

In die Berge

dass nach der Anhöhe alles besser wird; meist vergeblich. Kommt man auf der einen Seite der Kordillere noch manchmal in den Genuss über den Wetter zu fahren, sammeln sich die Regenwolken aber auf der anderen Seite umso dichter. Ich bin auf 4000 m Höhe, es ist bitterkalt und schüttet bereits seit einer Stunde wie aus Eimern (Goretex-Handschuhe in Verbindung mit Griffheizung funktioniert übrigens nur mäßig). Schlotternd stehe ich in Zumbagua an der Tanke, es weht ein kräftiger Wind und auch sonst ist das Örtchen, hoch oben auf dem Paß, wenig einladend. Chugchilan, der

Über den Wolken (noch)

Über den Wolken (noch)

nächste Ort, ist 40 Km entfernt, nass bin ich sowieso schon, also was solls; ich versuche noch ein Stündchen weiter zu fahren und ein paar Meter Höhe zu verlieren. Den sagenhaft grünen Quilatoa-See sehe ich nur als milchige Brühe durch den Wolkenbruch hindurch vorbei gleiten. Plötzlich hab ich wieder Feldweg unter den Rädern, eigentlich sollte bis Sigchos geteert sein, bin ich falsch abgebogen? Ich finde keinen anderen Weg, es dämmert bereits, zum Umdrehen ist es eh schon zu spät.

Mir kam schon seit Ewigkeiten kein Fahrzeug mehr entgegen, aber jeder der drei (dick eingemummelten) Fußgänger die ich frage, ob dies die Strasse nach Chugchilan ist und

Pisten und Regen, eine mitreißende Kombination

Pisten und Regen, eine mitreißende Kombination

ob sie auch befahrbar sei, bestätigen dies eindeutig. Doch die Piste wird immer schlechter, tief ausgespurt und in den Senken steht 20cm tief der Matsch. Nachdem ich über einen Erdrutsch hinweg einige Meter zu Tal geschliddert bin ist ein wirklicher Ponit-Of-No-Return überschritten, hier komme ich niemals wider hoch! Nebel zieht auf, die Sicht ist nun fast Null und ich bin schon seit neun Stunden pausenlos im Sattel, jetzt wird’s wirklich langsam kritisch. In Schrittgeschwindigkeit taste ich mich durch den Nebel und muss höllisch aufpassen nicht auf einen der vielen Almwege abzudriften. Aber die Besiedlung wird dichter und ich mache drei kreuze als sich endlich das Ortsschild von Chugchilan aus dem Dunst erhebt. Eine halbe Stunde später beziehe ich ein Zimmer mit Ofen, das die Chefin vom Cloud Forest schon angeheizt hatte, als hätte sie gewusst das

Der "Cloud-Forest"

Der „Cloud-Forest“

abends um19oo noch ein katschnasser unterkühlter Biker aufschlägt. Fünf Minuten später sitze ich vor einer dampfenden Suppe in ihrer Küche, hach, ich hätt die Muddi abknutschen können! So ganz nebenbei werde ich beim Essen dann erstaunt befragt, ob ich denn wirklich von „oben“ komme, ist die Piste nach Quilatoa doch wegen der anhaltenden Regenfälle unpassierbar und die Busse fahren aktuell „außen herum“, 160 Km Umweg. Autsch, das war mit Abstand der härteste Tag der Tour.

 

Fast wie zum Hohn empfängt mich der nächste Morgen mit strahlendem Sonnenschein, aber gut so, denn ich benötige den halben Morgen um mein Equipment zu trocken

Die Toachi -Schlucht

Die Toachi -Schlucht

(alleine in der Werkzeugrolle ist bestimmt ein 1/4l Wasser!). Aber was für ein Licht! Ich starte gleich auf einen Spaziergang ins Umland. Sobald man den „Ortskern“ (20 Häuser) von Chugchilan hinter sich gelassen hat eröffnet sich sofort der Blick auf die Landschaft die ich gestern im Nebel blind durchfahren habe… und mir bleibt der Mund offen stehen! Aussichten die magnetisch den Blick durch die Landschaft ziehen.

Um und über Chugchilan

Um und über Chugchilan

Sofortiger Abbruch der Wanderung und Rückkehr zum Hostel, die Koffer sind zum Glück eh noch nicht wieder an der BMW montiert. Mit jedem Höhenmeter weitet sich das Panorama und der Doppelgipfel des Illizina rückt ins Sichtfeld. Versprengte

 Auf dem Quilatoa-Loop

Auf dem Quilatoa-Loop

Bergweiler, ein Nebelwald, eine einsame Käserei die Morzarella nach Schweizer Rezeptur (?) anbietet und immer wider mitreißende Rundblicke. Zwei Tage verbringe ich nur mit Erkundungen der Gegend um Chugchilan. Vulkankegel am Horizont, der Quilatoa-See im Hintergrund, vorne die Schlucht des Toachi und, wenn man sich die Plackerei gönnt und den Hausberg von Chugchilan besteigt, eine Aussicht die von dort auch noch bis hinunter auf die Küstenebene und den Pazifik reicht. Die beschwerliche Anfahrt hat sich mehr als ausgezahlt; durch erhabene Landschaft zu reisen, dabei in kleinen, aber netten Unterkünften wohnen, mitten im Dorfgeschehen – hier ist er, der Kern des Motorradreisen. Für mich der schönste Platz in Ecuador!

 

Mehr Bilder aus und um Chugchilan findet ihr unter https://moppedrun.wordpress.com/aussichten/ecuador-2/

 

 

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