Äquatoren

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2014/04/23 von Jörn

Coriolis und die Äquatoren

Stefan verzieht sich nach Galapagos (kann man die armen Schildkröten nicht in Ruhe lassen??), aber mir fällt es schwer die Casa zu verlassen. Zusammen mit Dagi & Karl mach ich mich auf die Suche nach dem Äquator, den wir neulich so unfeierlich einfach überrollt haben. Ein perfektes Team, mit Navigation kennen die beiden sich aus, sind sie doch auf gute „Kolumbus“-Art und Weise einfach westwärts über den Atlantik gesegelt (http://www.aschbacher.com/blog) – drei Wochen Schaukelei ohne Land in Sicht …nach den 24h auf der Stahlratte ist euch mein Respekt sicher!

Genau hier!

Genau hier!

Unser heutiger Törn gilt dem „Mitad del Mundo“, dem –naja- Mittelpunkt der Welt. Wie wird es sein genau senkrecht auf der Erdachse zu stehen? Wird uns die Fliehkraft an den Ohren ziehen? Wie wird es sein, mit jeweils seinem Bein auf der Nord und Südhabkugel zu grätschen? Wird uns die Coriolis-Kraft die Schuhe ausziehen?

Die Coriolis-Kraft reisst mir die Arme hoch

Die Coriolis-Kraft reisst mir die Arme hoch

Nichts der Gleichen passiert. Das „Mittelpunktderwelt“- Label ist an sich ja schon ziemlich vollmundig, die Realität aber wirklich eine Unverschämtheit! Für 4 $ Eintritt bekommt man eine gelbe Linie zu sehen, umringt von einem Tourie-Zirkus sondergleichen, nicht mal eine peinliche Bimmelbahn fehlt. Möchte man in Zentrum der Anlage vordringen, hier befindet sich das passende Museum in einem Aussichtsturm, wird der geneigte Gast tatsächlich noch einmal zur Kasse gebeten! Ohne uns, ist doch schon lange bekannt dass die eingezeichnete Linie noch nicht mal auf dem reellen Äquator verläuft. Auch wenn die damalige Vermessung aus dem 18. Jahrhundert mit nur ein paar hundert Metern Missweisung eigentlich erstaunlich genau war, das ist echter Nepp, vollkommen sinnlos  und für mich einer der größten Tourie-Fallen überhaupt.

Äquator, 14 Uhr, kaum Wind...

Äquator, 14 Uhr, kaum Wind…

Im benachbarten „Naturkunde“-Museum, betrieben von einem lokalem indigenen Stamm, bringt uns die Zentrifugalkraft die Haare auch nicht weiter durcheinander, dafür sind die Darbietungen aber wenigstens unterhaltsam. Die Ausstellung ist kitschig ohne Ende und am Ende wird sogar noch zum Volkstanz gebeten (da krieg ich sofort Plaque!), aber wenigstens trägt der Tänzer ne coole Unterhose. Die, hier rote, Linie liegt zwar auch nicht auf dem exakten 0-Breitengrad, aber wenigstens gibt es hier ein paar anschauliche physikalische Experimente die mit Sonnenstand und Erdrotation arbeiten. Als Naturwissenschaftler bin ich ja berufsbedingt kritisch, so ganz kann mich

Please insert coin!

Please insert coin!

die Showeinlage nicht ganz überzeugen. Klar gibt’s die Kreiselkräfte, aber genügen bei 6.000.000 m Erdradius wirklich nur 3 m Versatz rechts/links der (ja auch noch fälschlichen) Linie um den Strudel im Ausguss umzudrehen? Aber der Guide bleibt ganz locker und gibt unverholen zu bei dem Ausgussexperiment leicht nachzuhelfen (falls ihr mal herkommt: passt mal auf wie er die Wanne stellt). Interessant ist indess dass das Wasser auch ganz ohne „leichte Hilfe“ wirklich strudelfrei ausläuft…. Ein paar Meter weiter, übern Parkplatz bei der Baustelle, finden wir dann letzten Endes doch für uns noch ne richtig schöne „NULL“.

Ne echte "Null"

Ne echte „Null“

Am Montag ziehen fast alle der Casa-Insassen weiter, das gibt mir auch den Anschub wieder zu satteln und obwohl Quito mich sogar mit schönem Wetter verwöhnt (es hat seit einer Woche nicht geregnet!) verlasse ich die Stadt der vielen Radwege (Radwege in Ecuador, etwa so sinnvoll wie ein Flughafen in Kassel!). Schön wars.

 

Mitad del Mindo

... die Krodillere zur Küste

… die Krodillere zur Küste

Die Distanz zur Küste wäre für einen Fahrtag zu lange, so gönne ich heute nur ein kurzes gemütliches Stück bis nach Mindo. Kurz hinter dem dortigen Mariposal ragt eine feuerrote Konstruktion aus dem sattgrünen Dschungel und zieht meine Aufmerksamkeit auf sich, den Eingang ziert ein Motorrad-Piktogramm, also nix wie rein. Die Anlage scheint verlassen, nur ein erstaunter junger Mann nimmt mich in Empfang. Eigentlich ist das Pura Vida ein Wochenendbetrieb, so wird mir erklärt, aber wenn es mich nicht stört das das Restaurant geschlossen ist und ich der einzige Gast wäre dürfte ich gerne bleiben. Stört mich nicht. Es sind noch drei Bier im Kühlschrank und bei ein paar Chips erzählt Camilo mir seine Geschichte. Vor dem Escobar-kartell aus Kolumbien geflohen lebte er in Buenos Aires, bis er vor 4 Jahren mit seiner 990er KTM zu einem Trip nach Mexiko aufgebrochen ist. Dabei ist er vor 2 Jahren in Mindo aufgeschlagen und hat sich sofort in diesen grünen Fleck verliebt, das Grundstück gekauft und dort den Kletterturm errichtet. Nun lebt er hier alleine mit seinen drei Hunden und ca 10.000 Mosquitos. Bis Mexiko kam er indes nicht mehr, ganz offiziell ist er aber immer noch auf Reisen (daher

Bier-Bajaj, der indische Lastesel

Bier-Bajaj, der indische Lastesel

das Mopped auf dem Schild:- )) und macht quasi nur „eine kleine Pause“. Die KTM ist eingemottet und er ist praktischerweise auf eine 200er Bajaj umgestiegen, die hier als Lastenmuli ihr karges leben fristet. Am nächsten Morgen bekomme ich eine ausführliche Einführung in die, gar nicht mal so simple, Indien-Zweiradtechnick (staunstaun, ob das mit der Beteiligung von KTM an Bajaj zu tun hat??). Dabei spendiert er mir noch ein richtiges Männerfrühstück, massenweise Reisetipps und, weil ich gestern beim Furten mal wieder meine Schuhe gewässert habe, auch noch ein paar Gummistiefel. Das sieht scheiße aus, läuft sich doof, aber macht jedem Menge Spaß bei den Wasserdurchfahrten. Und die sind zahlreich und tief da es immer nachmittags kräftig

Nachmittagsschauer

Nachmittagsschauer

regnet (ich bin sogar mal für 3h in einem Cafe gefangen gewesen!). Aber die Gegend ist einladend, Wasserfälle und Regenwald 1a. Hier wächst einfach alles, schon die Hochlandpflanzen, aber auch noch die Küstenflora. Ein gut gewählter Stopp. Abends dann die Überraschung als auch noch Henry und Tina hier auftauchen. Manchmal ist FB eben doch zu was gut. Nun wird’s zwar voll in unsere Männer-WG, aber mich freuts. Wobei wir gleich die erfolgreiche Besteigung des Cotopaxis feiern müssen und Herny auch noch ne Wette gewinnt: der Typ bei DeLaTierra, der Vorband von Metallica, sah nicht nur aus wie Andreas Kisser. Henry hat Recht und ich ne halbe Flasche Rum weniger 😉 (@Henry: is ok so?? 😉 )

 

Küsten-Kisten

Samstag Nachmittag in Canoa

Samstag Nachmittag in Canoa

So nett die Anfahrt auch war, den Ausflug zur Küste hätte ich mir allerdings schenken können. Canoa mag einer der besten Strände Ecuadors sein, aber den karibik-verwöhnten Langzeitreisenden kann hier nichts wirklich begeistern. Ganz schlimm wird’s wenn am Wochenende Heerscharen von Quitenios einfallen und die „Promenade“ im Staub der Dorfrundendreher, die hier nur etwas über zwei Minuten dauert, versinkt. Der Badespaß der Einheimischen ist auch leicht skurril, werden doch in kompletter Montur die Fluten geentert, um dann, drei Meter vom Strand entfernt im Wasser stehen zu bleiben (kann hier vielleicht keiner schwimmen??).

So sahen unsere Feten früher auch mal aus.

So sahen unsere Feten früher auch mal aus.

Das einzige was mein altes Beschaller-Herz hier erwärmen kann sind die meterbreiten Boxentürme der Strandbars. Rustikaler 80er –Jahre-Stoff aus der Selbstbauphase findet hier immer noch inflationäre Verwendung, gekrönt von kühlschrankgroßen Piezo-Hochton-Boxen die mit denen der Nachbar-Bar um die Wette dröhnen… plötzlich fühl ich mich wieder wie 16 🙂

 

Bilder vom Ei des Coriolis findet ihr unter https://moppedrun.wordpress.com/aussichten/ecuador-2/

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