Gimme Fuel Ecuador!

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2014/04/10 von Jörn

Es ist zum Heulen. Je weiter man in Kolumbiens Süden vordringt desto imposanter wird die Landschaft. Doch je weiter wir in Kolumbiens Süden vordringen desto ungestümer werden die Niederschläge, so dass wir die spektakuläre Anfahrt auf Pasto in einer undurchsichtigen Regenmauer quasi komplett verpassen. Wir fahren durch bis Isipala, wo wir eine letzte, eiskalte Nacht (unsere erste Übernachtung auf über 3000 m) in Kolumbien verbringen. Doch direkt vor der Grenze liegt noch unser letztes Ausflugsziel, das Heiligtum von Las Lajas.

In einer Schlucht verborgen liegt diese auf einer Brücke erbaute Kirche. Glaubt man der SONY DSCAnzahl der Dankestafeln die den Weg hinab in die Klamm säumen ist dies das weltweit wundervollste Gotteshaus (vielleicht nur noch getoppt von Lourdes). Das Gebäude selbst ist nicht der Renner, die Kirche nur halb so alt wie sie aussieht, einzig der Altar der in der rohen Felswand am Ende des Kirchenschiffs ist da ungewöhnlich. Viel mehr ist die Lage des Ganzen einmalig, außerdem ist Las Lajas für mich DAS Klischeebild aus Kolumbien und steht für einen exotischen, sehr weit entfernten Ort. Und nun steh SONY DSCich selbst auf der Brücke. Nicht besonders schlau die Marienerscheinung unten im Tal zu zelebrieren, der Aufstieg zurück zum Parkplatz jedenfalls lässt uns in der dünnen Höhenluft ganz schön keuchen, da wäre eine Lage oben auf dem Berg doch eigentlich wesentlich zuträglicher für eine demütige Haltung der Wallfahrer …

 

Wir schnaufen noch an der nur zwei Kilometer entfernten Grenze, aber die Ausreise aus Kolumbien gestaltet sich einfach und nach sechs Wochen verlassen wir dieses sehr angenehme Land. Das olle Image von hoher Kri­mi­na­li­täts­ra­te und nicht enden wol­len­dem Bür­ger­krieg ist abgebröckelt und ent­spricht heute nur noch be­dingt den Tatsachen. In Wahr­heit haben die Ko­lum­bia­ner die Nase ge­stri­chen voll von Ge­walt, Guerilla und Ko­ka­in­wahn. Kolumbien empfinde ich eher als ein „Best-Of“ des bisherigen Lateinamerika: Menschen nett wie Nicaragua, Infrastruktur fantastisch wie in Mexico, Landschaften schön wie in Costa Rica, Essen abwechselungsreicher als in allen Ländern der Kontinentalbrücke.. Soweit ganz klar der Überraschungssieger der Tour! (Außerdem produziert Renault noch ein paar ältere Modelle in Medellin, so dass die Straßen gefüllt sind mit Twingos und R4 – meine Mutter würds lieben)

Die letzten Bilder aus Kolumbien findet ihr unter https://moppedrun.wordpress.com/aussichten/kolumbien-equador/

 

Alter Ego

Die Begrüßung durch die Staatsmacht in Ecuador fällt ebenfalls überraschend aus, überraschend abweisend. Mein guter altgedienter Reisepass, schon lange und sehr oft im Einsatz zeigt nun die ersten erheblichen Verschleißerscheinungen. Schon wiederholt bei Grenzübergängen kritisch beäugt fängt nun, nach endlosem Aufbiegen und

Alter Falter

Alter Falter

Kopieren, die Bindung an sich aufzulösen. Die Fotoseite ist merklich locker, und bei eingehender Prüfung auf Echtheit reist die Heftung nun endgültig zur Hälfte ein. Die Dame von der Immigration weigert sich nun nett, aber bestimmt, mich mit so derart heruntergekommenen Papieren einreisen zu lassen. Nach Kolumbien, nach Bogota soll ich zurück und mir dort an der BRD-Botschaft einen vorläufigen Reisepass zu bestellen, damit dürfte ich dann gerne wiederkommen. Ich staune nicht schlecht, hat sie auf die Frage, wie ich mit diesem „schlechten“ Pass denn nun in Kolumbien wieder einreisen(einreißen *hahah*) soll, doch nur ein Schulterzucken als Antwort. Das ist doch mal echt zu Ende gedacht….

Wirklich beunruhigen kann mich die Sache indes nicht, hat der erfahrene Reisende doch, und das ist eine „kleine“ Deutsche Besonderheit, einen zweiten Pass in Reserve! Das nette aber bestimmte Lächeln ist nun ganz auf meiner Seite, als ich spontan den noch jungfräulichen und faltenfreien Zweitausweis auf den Tresen schiebe. Initial gibt’s ganz große Augen bei den Grenzhütern, ungläubig wird nach eingehendem Check aber mein „Doppeleben“ anerkannt und ich kann endlich einreisen. Mein Tipp für Langzeitreisende an dieser Stelle: unbedingt noch einen Reisepass als Backup besorgen!

 

Hat man die Grenze erstmal erfolgreich hinter sich gelassen, ist man in einem Land in dem alles kleiner ist. Die Männer, die Frauen, die Häuser, die Preise. Auch die Freundlichkeit ist etwas geschrumpft, leiser, nicht so sprudelnd wie beim feurigen Nord-Nachbarn.  Vielleicht liegt es aber auch an der Gegend das so weinig Kontakt zu Fremden gepflegt wird. Hier in Otavalo herrschen die Indigenen, die Otavaleňos. Hier gibt es den größten Markt Ecuadors, Otavalo hat volle Kassen und die Otavaleňos gelten als die wohlhabendste indigene Gruppe ganz Südamerikas. Sie als hochnäsig zu bezeichnen

Otavaleňa

Otavaleňa

wäre übertrieben, aber mit sehr viel Stolz wir die Gruppenzugehörigkeit zur Schau gestellt, eine junge Verkäuferin die im Elektronikshop Flatscreen-TVs und Tablet-PCs erklärt – und dabei eine traditionelle Tracht trägt- ist keine Besonderheit. So viele Indigene auf einen Fleck haben wir seit Guatemala nicht mehr gesehen. Männer wie Frauen (auch die Kinder) tragen ihr Haar lang, als Pferdeschwanz oder gar hüftlanger Zopf (sehr sympathisch), dazu Hut und weiß/schwarze Kleidung. Plötzlich fühlt man sich sehr in den Anden. Randnotiz: falls die Toilettentüren nur mit traditionellen Püppchen markiert sein sollten- am Besten schauen was Pluderhose oder Rock sein könnte, Hut und Zopf gibt’s an beide Türen 😉

 

Lebe lieber ungewöhnlich

Das mäßige Wetter verhindert manchen Ausflug und Wanderungen um Kraterseen auf über 3000m sind empfindlich kalt (hier kommen Bergsteiger zum Akklimatisieren her!). Der Markt in Otavalo ist durchaus interessant, aber auch unsere Hostelnachbarn verkürzen uns die verregneten Nachmittage. Brendon ist 85 Jahre alt, lässt sich vom Krebs nicht unterkriegen und ist immer noch aktiv unterwegs (und ständig am flirten!).

Die Rache der Shuar

Die Rache der Shuar

Er war Ende der 1940er(!) schon in Afrika unterwegs hat zeitlebens bei einer Airline gearbeitet, fliegt aus diesem Grunde kostenlos und tut dies auch ausgiebig. Jeder Mensch hat einige Geschichten, das lange Leben beschert ihm zahlreiche. Seine sind mindestens genauso interessant wie die Erzählungen von Cheryl, die zuhause in Kanada ihr Haus vermietet hat, die Sommermonate im Wohnwagen lebt und den Rest der Zeit die Welt bereist. Auch sie hat eine interessante Vita, lebte sie doch bereits in Marokko, Türkei und sogar ein Jahr in Pakistan … alleine als Frau! Immer wieder erfrischend, immer wieder inspirierend solche Menschen kennen zu lernen, Menschen die sich nicht klein kriegen lassen und die den Mut haben aus dem Raster zu springen.

... baut man aus Bambus.

… baut man aus Bambus.

Solch einen finden wir auch in La Limonal. Wir sind auf der Suche nach ein bisschen Wärme, eine kurzer Abstecher Richtung Küste ins Mira-Tal ist da recht dienlich. Auf halbem Weg zum Meer kommen wir auf der Bambusfarm von Piet unter, einem Belgier der sich hier ein kleines Tropenparadies geschaffen hat (http://www.bospas.org/). Sehr zur Verwunderung seiner Nachbarn, die (Originalzitat): „40 Jahre gebraucht haben um diese Gestrüpp zu beseitigen“ forstet er hier 30 ha Wald auf.

 

Give me fuel, Give me fire, Give me that which I desire…

Ein wirklich beschaulicher Platz, ganz weit ab von allen ausgetretenen Pfaden und im Windschatten der Reisemassen. Eigentlich wunderbar zum Erholen, aber eine kurze Nachrichtennotiz lässt uns sofort hochflattern wie ein paar aufgeregte Hühner. Die Suchworte „Metal Ecuador“ befördern eine lokale Veranstaltungsseite auf den Google-Schirm:

„Guck mal, irgendwie en Metallica –Konzert in Quito“
„Ne Coverband?”
“Hmmmm, es werden 50.000 Besucher erwartet und das Ticket kost über 60$…. das müssen die Originale sein!“
„Haben die denn ne neue Scheibe?“
„Nö, die Tour ist ein Wunschkonzert und es werde vorwiegend Stücke der ersten vier Scheiben gespielt“
„Waaas? Super! Wann ist denn das Konzert ???“
„Autsch – ÜBERMORGEN!!!“

Nun gibt’s kein Halten. Auch die Hinweise der Einheimischen dass dieses Konzert bereits seit Wochen ausverkauft sein soll können uns nicht bremsen. Aber wir setzen alles auf den Joker, bei 50000 müssen noch irgendwie zwei Tickets zu besorgen sein…. Auf nach Quito!

Erste Bilder aus Ecuador findet ihr unter https://moppedrun.wordpress.com/aussichten/ecuador-2/

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Ein Kommentar zu “Gimme Fuel Ecuador!

  1. zuhause sagt:

    Hallo Jörn,

    ich würde soo gerne mit Euch reisen -und in Gedanken tu’e ich es auch- und das nicht nur wegen R 4 u.Twingo, (ha, ha) nein, es sind Deine faszinierenden Reiseberichte.
    Super – ich bin richtig stolz auf Dich !!

    Euch noch ganz viel Spaß und liebe Grüße,
    M.

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