Drogenkönig von Cartagena

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2014/02/27 von Jörn

Auch wenns abgegriffen scheint: Betäubungsmittel und eine Krone spielen in diesem ersten Kolumbienbericht leider eine tragenden Rolle…. doch davon später mehr.

Südamerika

Mit der beruhigenden Einfahrt in einen der Häfen von Cartagena findet der unlustige Teil unserer Seefahrt ein schaukelfreies Ende. Sämtliche Passagiere werden per Dingi an Land gebracht, kollektiv in Taxis verpackt und zur Immigration gefahren, wo alle bereits vom Zoll-Agenten der Stahlratte erwartet werden. Nach

Abladen in Cartagena

Abladen in Cartagena

erfolgreicher Einreise der Personen (ca 1h) sind die Rösser an der Reihe. Da es hier keinen Kai zum direkten Anlegen gibt, werden die Motorräder zuerst auf einen Ponton abgeseilt, von diesem aus lässt sich bequem mit eigener Motorkraft auf die Hafenumrandung auffahren (Bilder von der Landung findet ihr noch unter https://moppedrun.wordpress.com/aussichten/darien-gap/). Zumindest theoretisch, den zwei der acht Motorräder springen nicht an. Meines ist ausnahmsweise mal nicht darunter, aber die Gruppe wird vom Zoll nur als Ganzes abgefertigt und solange dies nicht geschehen ist, sind die Fahrzeuge illegal an Land. Einige fahren also vor um unser Eintreffen anzukündigen, die Havaristen werden indes, begleitet von heftigem Schwitzen und ebenso heftigen Flüchen, einige Strassen weiter zum Zollgelände geschoben. Leider zu spät, hat dort die zweistündige Mittagspause doch bereits begonnen 😦 . Wir besorgen uns kolumbianischen Pesos um uns wenigstens etwas Kühles zu trinken kaufen zu können und nutzen die Zeit um die beiden Startunwilligen unter die Lupe zu nehmen. Der leeren Batterie von Stefans BMW lässt sich mit einem Starthilfekabel zu Leibe rücken, Ralfs XT springt nach etwas „Fummeln und Kicken“ auch wieder an. Dann beginnt das große Warten.

Waiting (pic by Don Gravlee)

Waiting (pic by Don Gravlee)

Bis alle Maschinen endlich eingeführt und fahrbereit sind dämmert es bereits und bis wir endlich unser Gepäck von Bord der Stahlratte auf unsere Stahlrösser verladen haben ist es Dunkel. Wir haben noch keine Versicherung, aber das muss bis morgen warten. Wir suchen uns erstmal eine einfache Unterkunft in Getsemani, dem lebhaften Teil der Altstadt von Cartagena und stürzen nach der schlaflosen Zeit auf See und dem extrem anstrengeden Tag sofort todmüde ins Bett. Eine vorgeschriebe SOAT-Versicherung finden wir am nächsten Tag nur ein bisschen die Strasse runter, gegenüber des Castillo San Felipe, zwischen den dortigen Autohäusern (Segura SURA, Calle 30, Tipp weil zeitlich flexibel für 4, 8 oder 12 Wochen!), natürlich genau 2 Minuten nach Beginn der Mittagspause …

SONY DSCAber wir sind nun in Südamerika! Abgesehen von der brutalen Mittagshitze ist Cartagena ein angenehmes Städtchen, und nachdem wir gerade schon so schön am organisieren sind wollen wir uns nach einer Spanischschule umsehen um hier den nächsten sprachlichen Level anzustreben. Wir wechseln in ein netters Hotel, finden mit Amauri einen Spanisch-Hauslehrer der drüber hinaus auch noch Deutsch spricht und verbringen die beiden folgenden Tage im „Tenere“-Ralleylager. Ralf laboriert immer noch an seiner stottrenden XT, da aber der Autor dieser Beiträge ja ein alter XT-Fahrer ist, ist es die reine Freude beim schrauben zuzuschauen und gute Ratschläge zu verteilen 😉 .SONY DSC Wir finden tatsächlich irgendwann die undichten Ansauggummis und die Probefahrt mit dem eingesetzten Provisorium verläuft zufriedenstellend. Nun könnten die beiden endlich starten, doch Murphy schlägt gnadenlos zu und genau heute ist der nur einmal im Monat stattfindende motorradfreie Freitag …

Wir sind in Kolumbien gelandet, unsere Moppeds sind eingeführt und versichert, wir haben eine angenehme Unterkunft und nen Spanischlehrer für die nächsten beiden Wochen gefunden, Ralf und Birgit sind wieder auf der Piste- bestens! Es wäre eigentlich alles in trockenen Tüchern wenn nicht plötzlich abends – KNACK- mir ein Stück Zahn samt Füllung ausbricht. Naja, das ist kein Beinbruch und hätte an weit ungünstigeren Orten passieren können; Cartagena ist eine Großstadt und das Niveau der kolumbianischen Medizin steht dem in Europa in Nichts nach. Schon am nächsten Tag (das WWW macht’s möglich) spreche ich bei Dr. Lilliana vor, deren Praxis sich nicht nur praktischerweise nur ein paar Blöcke entfernt befindet, sondern die dazu auch noch hervorragend Englisch spricht. Was auch gut ist, denn wie befürchtet ist es mit einer einfachen Reparatur der Füllung, die scheinbar schon länger rissig war, nicht getan. Mit kritischem Blick und radiologischer Unterstützung wird die Wurzel als das Übel eingekreist, das erklärt auch die gedachte Zahnfleischentzündung die mich vor vier Wochen in Costa Rica so geärgert hat. Ohweh, wir wollten zwar sowieso zwei Wochen lang in Cartagena bleiben, aber da stehen mir dann doch noch einige zusätzliche Behandlungen ins Haus 😦 .

Dr. Lili

Und wie kann man sich denn nun einen Besuch beim kolumbianischen Dentisten vorstellen? Auf jeden Fall anders als zuhause 😉 Eine Praxis hier vor Ort besteht meist aus nur einem einzigen Raum und erinnert eher an eine „Mister Minit“-Filiale: am Eingang ein Tresen, gleich dahinter schon die Werkbank. SONY DSCDer Dentist ist mit nur einer Assistentin ausgerüstet und bestreitet den Praxisbetrieb ohne Wartezimmer… man ist ja schließlich Privatpatient und kommt sofort dran – niemand wird gezwungen stundenlang zu lauschen wie der Bohrer kreist 🙂 . Sonst wird allerdings wenig Distanz gewahrt, während der Behandlung wird hemmungslos und laut telefoniert, die Instrumente werden dem Patienten auf der Brust gelagert, derweil die Brust des Behandlers öfters mal auf der Patientenstirn zum Liegen kommt. Aber auf jeden Fall wird es nicht langweilig.

Das Gebäude ist, wohl dem hiesigem Klima geschuldet, in recht mittelmäßigem Zustand, lockere Fliesen und schiefe Türen inklusive, doch hinter der bröckeligen Fassade verbirgt sich digitale state-of-the-art-Röntgentechnik. Die Bohrtiefe wird im Vorfeld mit Hilfe elektrischer Nerven-Reizung bestimmt und die Betäubungen sitzen „auf dem Punkt“. Ich möchte nicht behaupten das ne Wurzelbehandlung Spaß macht, aber der Eingriff lässt sich wirklich als höchstens „ein bisschen unangenehm“ bezeichnen – ich hatte noch nie so einen zärtlichen Zahnarzt!

Tatsächlich lässt sich die Doktora auch noch erweichen und beschleunigt das ganze Behandlungs-Procedere für den vom Reisefieber geplagten Motorradfahrer. In weniger als zwei Wochen wird der Wurzelkanal gerichtet, der Zahn präpariert, ein weiters Loch geflickt und eine Krone (Farbe passt perfekt!) angefertigt und eingepasst. Ein weiters Praxis-Schmankerl klebt an der Decke. Da wo beim deutschen Dentisten typischerweise mit dem Zählen der Deckenfliesen begonnen werden muss hängt hier ein Flatscreen, auf dem mir netterweise sogar ein Musiksender gereicht wird. SONY DSCSo begrüßt mich Lemmy zur Behandlung und bei den Live-Mitschnitten von Muse und 30-seconds-to-Mars muss ich den Impuls unterdrücken kräftig mitzusingen… Nach erfolgter Krönung steht fest: die Welt könnte bedeutend schlimmer sein!

Bilder aus Cartagena findet ihr bereits jetzt unter https://moppedrun.wordpress.com/aussichten/kolumbien-equador/

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