Nachts im Dschungel

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2014/02/04 von Jörn

Genug geheult und geschimpft, kommen wir zum Reiseteil Costa Rica (hier von Nord nach Süd 😉 )

Die reiche (Pazifik)Küste, Halbinsel Nicoya

Wir fahren nach Montezuma, schon lange kein Geheimtipp mehr, aber immer noch mehr „alternativ“ als die Hotelburgen ganz im Norden der Halbinsel. Allerdings ist alles im Ort selbst und entlang der Küste ausgebucht. Eine Nacht im Tico-Hotel ist zu überleben und am nächsten Morgen sind wir um 8oo schon wieder auf Zimmersuche in der „2.Reihe“ oben auf den Klippen.

Strandgut klein

Strandgut klein

Wir ignorieren erfolgreich ein „no vacancy“ Schild und werden umgehend belohnt. Das „Horizonte“, von Birgit selbst entworfen, ist mit Sicherheit die liebesvollste Unterkunft unserer bisherigen Reise. Die ganze Truppe, Angestellte wie Gäste, sind so knuffig, wir fühlen uns wohl und werden von der Chefin sogar zum Grillabend eingeladen. Eine Woche vergeht wie im Flug mit Schnorcheln, die wunderbaren Stände abfahren und in der Hängematte hängen, das volle Tropenprogramm halt 😉 .

Auch zeigt sich das Wildlife von seiner ganz tropischen Seite: zweimal während unseres Aufenthalts bekommen wir Besuch von schwarzen Army Ants. Die Heerzüge der Wanderameisen verteilen sich zuerst großzügig im Haus (auch durchaus bis in den 2.Stock!), konzentrieren sich dann auf das ergiebigste Areal und bilden anschließend zentimeterbreite Strassen zwischen Futtergebiet und Heimatbau. In sämtlichen Ritzen, Spalten und Nischen wird nach Beute gesucht, meist Gliedertiere, Larven und Spinnen, aber auch ein kleiner Gecko, der zufällig in eine der Strassen des Stoßtrupps gerät, bleibt nicht verschont und wird, langsam aber sicher, verspeist – bis am Ende nur noch ein winziges Skelett übrig bleibt.

... der Army Ants

… der Army Ants

Auch als Mensch sollte man dem Einmarsch der schwarzen Flut besser aus dem Weg gehen, sind die Bisse der angriffslustigen Krabbelviecher, wie wir selbst erfahren durften, doch ziemlich schmerzhaft. Sehr kurios zu beobachten: die im Haus heimischen roten Ameisen flüchten sich, mit einer Notration Brotkrümeln bestückt, auf die Oberseite des Türrahmens und beobachten die Invasion aus sicherer Höhe. Nach zwei, drei Stunden sind alle Ritzen gefegt, dann ebbt die Belagerung langsam ab, die Strassen werden wieder schmaler und schließlich ziehen sich die schwarzen Horden ganz zurück. Nun gehört das Haus wieder seinen ursprünglichen Bewohnern, egal ob mit zwei, vier oder acht kleinen Beinen.

Ein besonderes, diesmal lebloses Schmankerl hat die Nicoya-Küste für uns auch noch zu bieten. Vor Cahuita gibt es eine echte Friedhofsinsel, zu Fuß nur bei Ebbe erreichbar und noch voll in Betrieb! Ein absolut skurriles Fleckchen, Gräber und Kreuze in allen erdenklichen Formen und Ausführungen.

Klassisch, schlicht,

Klassisch, schlicht,

Vom klinisch streng weiß gekachelten Rechteckgrab, einfachen Erdhügel, Muschelhaufen bis zu „Themengräbern“ wie das mit der Reifenspur oder dem verbogenen Propeller – echt bizarr. Und über allem kreisen tatsächlich noch die Geier. Ein Liegeplatz wie aus dem Bilderbuch. Perfekt.

Wieder Vulkane – die Arenal Region

Einer der 10 aktivsten Vulkane der Welt, der Arenal, besticht vor allem durch seine lehrbuchhaft perfekte Kegelform. In Sachen „Aktivität“ ist er allerdings, wie so viele von Costa Ricas Attraktionen, eher kritisch zu betrachten. Von La Fortuna, der dem Kegel nächstgelegenen Städtchen, ist nur die ruhige Seite des Berges zu sehen, die aktiven Krater liegen alle auf der anderen, der nördlichen. Die wenigen Unterkünfte die es dort gibt verlangen einen saftigen Aufschlag für Zimmer mit „Aussicht“, wobei allerdings dezent verschwiegen wird, das der Gipfel seit 1996 kein Feuer mehr gespuckt hat und, selbst wenn es aktuell Eruptionen geben würde, sie zu 98%  unsichtbar, weil hinter Nebel versteckt, wären.

... heute mal absolut wolkenfrei!

… heute mal absolut wolkenfrei!

Wir entscheiden uns für die ruhige Seite und werden prompt auch, zwar nicht mit Eruptionen, aber mit einigen nebelfreien Momenten belohnt. Aber eine Sache fällt uns auf: fast alle schönen Unterkünfte die wir in CR finden sind sonst von Europäern geführt, hier im Cerro Chato ist die rühmliche Ausnahme (allerdings kommt der Betreiber nicht aus CR sondern, laut eigener Aussage, vom Pluto 😉 ).

In ganz CR spielen auf jeden Fall Natur und Landschaft die Hauptrollen. Auch um den Arenal-See ist dies nicht anders, nur hier gibt es, neben den Trecks, Ziplines und Hängebrücken durch den Regenwald, noch eine der schönsten Motorradstrecken Costa Ricas. See und Vulkan im Blick führt das schmale Sträßchen entlang des Ufers auf und ab, ein Kurvenrausch. Teilweise führt die Strecke durch unberührten Regenwald, hier ist extreme Vorsicht geboten! Nicht wegen der Tiere (es sind vor allem Nasenbären) die hier entlang der Fahrbahn hoppeln, sondern wegen des Staus der urplötzlich hinter jeder engen Kurve auftauchen kann, weil vorne wieder mal –entgegen der ausdrücklichen Hinweise- jemand mitten auf der schmalen Strasse anhält um die Viecher zu füttern.

Wir fahren die Strecke um den Stausee aber trotzdem mindestens dreimal, und jedes Mal kehren wir in Toms Pan ein, der berühmten deutschen Bäckerei in Nuevo Arenal. Tom ist selbst Biker und füttert uns mit köstlichen Spezialitäten aus der Heimat ab.

Erste Hinweise auf die Heimat

Erste Hinweise auf die Heimat

Nach vier Monaten Reis mit Bohnen (manchmal auch Bohnen mit Reis 😉 ) hat ein gutes Brot am Heiligabend wirklich etwas Spirituelles! Und der Stollen, und die Bratwurst, und der Leberkäs, und, und… selbst der Holländer ist begeistert, das soll was heißen! Wir feiern Weihnachten zusammen mit Maarten, der uns bald aber verlässt um seine Karibik-Passage nach Kolumbien zu organisieren. Ich weiß nicht wie oft wir bei Tom Halt machen, aber um Lauf der Zeit schließen wir enge Kontakte zur Belegschaft (mit der wir dann auch den Jahreswechsel verbringen) und testen schließlich die ganze Speisekarte durch 🙂 .

Auf die leicht zynische Frage ob es in der Arenal-Region auch Attraktionen gibt die keine 40 $ Eintritt kosten, bekommen wir in unserem Hostel die vollkommen unzynische Antwort „Selbstverständlich: es gibt einen Fluss zum Baden und den Sonneuntergang von der Staumauer aus zu beobachten ist auch kostenlos!“. Was wir zuerst für eine schwache Ausrede halten entpuppt sich aber tatsächlich als echte lokale Sensation. Jeden Abend ab 16 Uhr packen die Ticos Musik, Dosenbier und Felgengrill auf der Krone der Staumauer aus und tanzen in den Sunset.

Der Stau-Damm

Der Stau-Damm

Aufgrund des gestiegenen Verkehrsaufkommens wird dann einfach die Fahrbahn blockiert, der entstehende Stau hingenommen (daher auch Stau-Mauer… sorry, der musste sein). Dazu defilieren die letzten Boote und Jetski vor dem dankbaren Publikum im schwindenden Sonnenlicht zurück zum Anleger. Auch wir sind angezappt und beenden unsere Ausflüge wann immer möglichst mit einem kurzen Stopp um 5 auf der Mauer.

Über Sylvester versuchen Miez und ich uns nach Nicaragua zu flüchten. Wir fahren in CRs Norden nach Los Chilles und versuchen von dort aus in den Regenwald von San Carlos (NIC) zu kommen. Doch es gibt leider keine Straßenverbindung, der Transport zwischen beiden Ländern erfolgt ausschließlich per Personen-Boot. So können wir die BMW nicht mitnehmen, wir wären auf Öffentlichen Transport angewiesen und zusätzlich ist bei Ausreise aus CR auch noch ein Zwangsaufenthalt von mindestens 72h im Ausland vorgeschrieben. Nur eine der angeschriebenen Unterkünfte gibt uns Feedback, und diese will 60$ pro Nacht und Person. Zu pokern ist uns zu unsicher (zuviel erfolglose Zimmersuche die letzte Zeit) und wir bleiben eine weitere Nacht in unserem einzigartigen Thronzimmer (eine der besten Unterkünfte in Los Chilles), wo Diskretion kleine geschrieben wird, allerdings eine geradezu asiatische Farbenfreude vorherrscht 🙂 .

Das Thronzimmer

Das Thronzimmer

Als am nächtens Tag immer noch keine Unterkunft zu ergattern ist, begraben wir traurig die Nica-Pläne und kehren zum Vulkan, diesmal direkt zu Toms Pan nach Nuevo Arenal zurück. Auch in unserer neuen Unterkunft haben wir, mal wieder, den Fall das wir vorm Balkon mehr Wildlife zu sehen bekommen als in manchem Park. Das Anwesen ist riesig, besitzt seinen eigenen Wald, zwei Wasserfälle und einen Trampelpfad zum Seeufer, das lädt zu spannenden Expeditionen ein. Jeden Morgen werden wir von einem lustigen Federvieh geweckt, das kopfüber an einem Ast hängend erst perkussive Geräusche produziert, dann polyphon die Tonleiter hochgurgelt und dabei immer lauter wird. Ein Montezumastirnvogel (dämlicher Name! Die Ticos nennen ihn Oropendola – schon besser), sein Ruf ist unvergesslich und wird für uns zur Erkennungsmelodie für Costa Rica. (http://ibc.lynxeds.com/video/montezuma-oropendola-gymnostinops-montezuma/male-displaying-0 , unser Wecker war allerdings ein wenig gesprächiger ;-))

Auf der anderen Seite des Sees gibt es eine Mikro-Brauerei mit angegliedertem Hotel und Surfschule, eine schlaue Kombination. Das Bier wird vom Sommelier ausgiebigst beschrieben (mehr Blume und mit Pfirsich im Abgang) und in Schnapsgläschen zum Probieren gereicht, das hat Kultur. Auf unseren Erkundungsfahrten um den See sehen wir viele leer- und zum Verkauf stehenden Häuser und Fincas (noch mehr als im

Vulkan zu verkaufen,

Vulkan zu verkaufen,

restlichen CR). Momentan wird hier alles verramscht (auch an vielen Autos befinden sich “se vende“ Schriften), ob um die schnelle Mark zu machen oder wegen Mangel derselben wissen wir nicht zu eruieren, aber die Stimmung im Lande ist allgemein schlecht. Waren’s früher Freaks die ihren karibischen Lebensraum umsetzen, so sind heutzutage die meisten Expats gnadenlose Geschäftsmänner, die versuchen möglichtst schnell viel Marge herauszupressen und keinen Bezug zur Land und Leuten haben. So sind die meisten Hoteliers der alten Garde inzwischen missmutig, so mancher versucht nun auch sein Geschäft zu verkaufen. Wenn also jemand Interesse an einer Existenz in Costa Rica hat, zurzeit ist das Angebot groß…

Schwermetall

In San Jose falle ich wieder auf einen Nepp herein: vorsorglich in der wunderschönen „Casa Yoses“- Kolonialvilla ein Zimmer reserviert (ich war vor ein paar Jahren schon mal dort) fahre ich im Gewirr der Einbahnstrassen zweimal zu früh ab. Komisch, ich hätte schwören können die Einfahrt wäre auf dieser Strasse gewesen… verdammt, war sie auch! Denn als ich die Räume auf der nun linken Straßenseite betrete finde ich ein gänzlich anderes Hotel vor. Langsam dämmerts mir: an dieser Ecke des Blocks gabs schon früher ein abgehalftertes Hostel, das sich nun, nachdem die „alte“ Casa Yoses vor ein paar Monaten offensichtich geschlossen hat, einfach Name, Schild und Homepage unter den Nagel gerissen hat. Auf die Frage warum denn die Bilder im Web denn noch die alte Villa zeigen, hieß es lapidar: Sorry, wir sind leider seit März noch nicht zum Aktualisieren gekommen! Aha.

La Rana und weitere

La Rana und weitere

Aber manchmal ist wirklich alles Gold was glänzt und das viby Nightlife ist mal eine schöne Abwechselung zum Easy Living an der Küste. In einer wohlbekannten aber übelbeleumdeten Bar (ins „Sand“ trauen sich nicht mal die Einheimischen, ich weiß aber echt nicht warum?!?) kriegen wir innerhalb einer Stunde Stangentanz, Koks, SM mit Partnertausch und einen Anwalt angeboten. Wir lehnen dankend ab, haben aber trotzdem einen schönen und vor allem unterhaltsamen Abend (ich notiere mir die Tel-Nr des Anwalts aber trotzdem, man weis ja nie). Die Nr. hätten wir auch fast umgehend gut gebrauchen können, denn nach einem weiterem Besuch im Sand (es ist bereits schon hell als Stefan und ich den Heimweg antreten) öffnet, auch nach minutenlangem Klingeln, leider niemand unsere Hotelpforte. Aber der Zaun ist nicht unüberwindbar. Doch gerade in dem Moment als wir per Spitzbubenleiter die Palisade erklimmen, dröhnt ein Horn und erblitzten blau/rote Lichter … die Polizei, na super. Mit viel Pantomime und dem Beweis das wir zwar einen Schlüssel besitzen, aber das Tor leider von Innen verriegelt ist, können wir der Verhaftung aber noch entgehen. So ist das Leben in der Großstadt 😉 . Wir besuchen auch noch eine charmante Bikerkneipe (Danke Olga, die beste Pizza in ganz Ticoland!), aber selbst in der Hauptstadt ist an Werktagen, vor allem in der Ferienzeit wenn ganz CR an den Stränden sitzt, tote Hose. Auch die Konzert-Saison geht leider erst frühestens im Februar wieder los. Schade, hier hatte ich deutlich mehr erwartet, besitzt gerade San Jose doch eigentlich eine recht aktive Metal-Szene.

Schwermetall der ganz anderen Art gibt es seit Anfang Mai auf San Joses Strassen zu bewundern. Um den endlosen Staus auf den Haupteinfallsstrassen Herr zu werden wurden alte, längst aufgegebene Bahnstrecken reaktiviert, die Gleise wieder ausgegraben und nun verbinden in den Stoßzeiten ein paar Pendlerzüge auf vier Linien das Stadtzentrum mit Vororten und Nachbarstädten. Neben einigen neuen Triebwagen werden ggf auch noch alte Züge eingesetzt, die aussehen als wären auch sie bereits vergraben gewesen 😉 . Doch das prekäre sind nicht die Züge an sich. Die alten Bananen -Bahnen wurden einst nur für gelegentliche Gütertransporte genutzt, so befinden sich die Gleise auf Strassen-Level und sämtliche Übergänge sind absolut ungesichert, keine Lichtsignal, keine Schranke! Lediglich ein winziges Blechschild weißt überhaupt auf die Existenz des Bahnübergangs hin! So gab es bereits bei der Jungfernfahrt, mit dem amtierenden Staatspräsidenten am Steuer, den ersten Unfall. Also quälen sich die Züge direkt mitten durch die Staus der Rushhour und müssen sich ihren Weg über die zugestellten Gleise mit riesigen Druckluftfanfaren geradezu frei blasen. Acht Uhr morgens auf der Avenida Central, Stoßstange an Stoßstange, kein Vor oder Zurück auf den Strassen denn der Tico fährt IMMER soweit in die Kreuzung ein bis Nichts mehr geht (was interessiert mich der Querverkehr?!). Unversehens ertönt das Horn eines Supertankers! Nun bricht Panik aus, bleiben den Lenkern doch nur noch ein paar Sekunden um ihre Gefährte von der Schienenkreuzung zu rangieren. Sehr schön zu beobachten, dabei wird wirklich ein neues Niveau an hektischem Chaos erreicht. 😛

Die BMWs bekommen ihren 12.000 Km-Service (ahem, inzwischen isses eher ein 10.000 miles service, aber das ist doch noch lange kein Grund das Mopped ungefragt zu putzen, oder?!) und neue Hinterreifen.

In Los Yoses, frisch geputzt

In Los Yoses, frisch geputzt

De facto gibt es in San Jose den einzigen Heidenau-Händler zwischen den USA und Kolumbien, also der perfekte Ort für uns zum Reifentausch. Der K60 Scout hat sich glänzend bewährt und ist für Laufleistungen >15TKm gut, also nutzen wir diese Gelegenheit ein paar neue zu erwerben, zumal uns LaMoto ein gutes Angebot für die beiden Schlappen macht. Als wir erzählen wohin die Reise geht wird dann auch nicht gezögert uns obendrein den neuesten Schrei der Mopped-Mode anzupreisen: ein T-Shirt mit seitlichen Klettflächen, an denen, Anzahl und Ort frei wählbar, dann diverse Waffenhalter angebracht werden können. Meine Walther habe ich leider zuhause vergessen und fürs Leatherman gab’s kein passendes Holster, so bleibt der im weiterhin Tankrucksack und das Klett-Shirt schlussendlich doch im Laden ;-D .

Nachts im Dschungel

„Was gibt’s da schon zu sehen?“ berechtigt Frage, lapidare Antwort „ne ganze menge“. Die Nachtaktiven sowieso, das ist klar, aber auch die Schlafenden, denn ausnahmsweise sind diese dann ganz ruhig und nicht gleich auf der Flucht. Der Lichtkegel der Taschenlampe gibt dem suchenden Auge einen kreisrunden Fokus, so fällt das Finden leichter und nach einer halben Stunde sind wir soweit „ein“gesehen dass wir sogar zeitweise unsere Dreiergruppe auflösen um mehr „Fläche“ sondieren zu können. Wir sind in Puerto Viejo, ganz tief im Süden von Costa Ricas Karibikküste und gleich hinter den Bergen ist Panama. Dazwischen liegt, keine 100 Meter vom Ortsrand entfernt, ein dichter grüner Regenwald. Es ist kein unberührter Primärwald mehr, aber zwischen den neueren Bewuchs stehen immer noch genügend alte Urwaldriesen. Und wir mittendrin, bewaffnet mit Akkulampe, Gummistiefel und einem einheimischen Guide. Im dichten Dickicht sind Wasserläufe die einzig gangbaren Bahnen, aber in den letzten Tagen hat es ausgiebig geregnet, so dass die geringe Schafthöhe unserer Gummistiefel unsere Vorwärtsbewegung schnell bremst. Aber selbst zurück auf den alten, längst überwucherten Pfaden müssen wir ab und zu über umgestürzte Bäume klettern und aufpassen da wir unseren Guide nicht aus den Augen verlieren.

Nachts

Nachts

Aber schon am Waldrand ist das nächtliche Leben aktiv und überraschend. Frösche „spottet“ unser Guide nicht per Auge, nein, er hört die Rufe der verschiene Arten, die sich vollkommen vom europäischen Gequake unterscheiden. Die Hälfte von dem was ich für Vogelstimmen gehalten habe, ist tatsächlich von unseren liebsten Amphibien, und vom kurzen metallischem „Ping“ bis zum katzenhaften Miauen ist alles dabei. Die Frösche in Bäumen schließlich zu sehen ist dann weniger ungewöhnlich, aber es finden sich daneben überraschenderweise zB auch Krabben im Blätterdach! Echsen, Schlangen, Gottesanbeterinnen, die riesigen Bullet-Ants, handtellergroße Spinnen und nachtaktive Pelztiere tauchen im Lichterschein unserer LEDs auf. Vier Stunden lang kriechen, stapfen und leuchten wir mitten in der Nacht durch den Busch um anschließend matschig, müde aber äußerst zufrieden ins Bett zu fallen. Der Nightwalk im Urwald ist extrem empfehlenswert und wirft die Frage auf warum man nicht einfach mal mit der Taschenlampe im heimischen Wald nachts spazieren geht.

Neben dem besten Essen in CR, bedingt durch den Karibischen Einschlag, gibt es zu guter Letzt hier auch mal wieder Chicharones. Unter Palmen an einem schwarzen Sandstrand sitzen und gegrillten Schweinebauch knabbern, das ist echtes Piratenleben. In den Cabinas Tropical haben wir eine der gefälligsten Unterkünfte der letzten Zeit, Rolf ist bikerfreundlich :-), Biologe, baut grün und steht seinen Gästen gern für fachkundigen Führungen bereit. In Puerto Viejos bestem Baumarkt finde ich zu guter Letzt ein paar passende Federringe für meine Kofferhalter, hoffentlich hört damit endlich die ständige Schraubenfestzieherei auf. Die Sonne scheint außerdem endlich wieder und so wird es zuletzt doch noch ein versöhnlicher Abschied von Costa Rica.

Die Bilder zu Costa Rica findet ihr unter :https://moppedrun.wordpress.com/aussichten/darien-gap/

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2 Kommentare zu “Nachts im Dschungel

  1. Blondie sagt:

    Hach…soooo viele wilde Tiere – die einen auf dem Kopfkissen, die anderen unter der Bettdecke oder einfach im Baum rumhängend! *hust* …& die wildesten von ihnen natürlich auf den zweirädligen Hobeln. Schön, zu lesen, dass der Abschied doch noch versöhnlich ausgefallen ist. Ich hoffe euer nächstes Ziel empfängt euch kostengünstiger & entspannter!
    Wenn in einem eurer Beautycases noch Platz ist, sammelt doch ein paar Federn für mich ein 😉
    Gruss & Kuss
    dat Blondie

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