Der rauchende Gott

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2013/11/30 von Jörn

Ob der Lago Atitlan wirklich der schönste See der Welt ist sei zur Diskussion gestellt, aber schön ist er allemal und wir haben den Besuch nicht bereut. Zur Anfahrt wollten wir allerdings versuchen, Guatemala-Stadt zu umgehen und uns größtenteils über Nebenstraßen durchschlagen. Dies gelingt auch recht gut und die Gegend um Coban ist eine weitere schöne Motorradstrecke, auch wenn durch die ganzen Kiefernwälder kein rechtes zentralamerikanisches Feeling aufkommen will, viel mehr sieht’s hier aus wie im Schwarzwald. Sobald wir dann aber von der Hauptroute abweichen verlässt uns aber auch der Asphalt wieder recht schnell. Wir haben Glück und nach ein paar Kilometern kommt uns erfreulicherweise ein Caterpillaar entgegen :-). Hinter dem Gerät geht’s auf der nun frisch geschobener Piste deutlich geschmeidiger fahren als neulich auf Lanquin zu, doch auch heute geht uns wieder einmal das Tageslicht viel zu schnell aus. Bis zum See schaffen wir es heute nicht mehr, aber zum Glück liegt Antigua fast auf dem Weg. Es dunkelt schon als wir den Abstieg nach Antigua befahren und an den Vulkanen stauen sich gespenstisch die Wolken in der Dämmerung, während Blitze zwischen ihnen herzucken- ein ziemlich imponierender Anblick. Antigua aber, so hübsch es auch sein mag, nervt. Nach der langen Zeit in Mexico haben Kolonialstädte alleine ein bisschen an Reiz eingebüßt. Der Verkehr ist anstrengend und wir finden keine Unterkunft mit einem Plätzchen für die Moppeds. Aber wenigstens können wir ein bisschen missionarisch tätig werden: ein Pärchen – Er aus Antigua, Sie aus Venezuela- träumt schon lange davon ihre Heimat einmal auf dem Landweg anzufahren, die Unsicherheit über die Passage des Darien Gap hat sie bisher aber von konkreten Planungen abgehalten. Doch nicht nur das wir diesbezüglich natürlich gerne Tipps weitergeben, nein, nun soll ihre Reise auch mit dem Motorrad stattfinden… mal schauen ob BMW uns für solche Marketingaktionen mal Provision einräumt ;-).

Wolkenspiel

Wolkenspiel

Sonst bleibt für uns die alte Hauptstadt aber nur ein kurzer Etappenpunkt und wir machen uns schnell weiter auf den Weg zum Lago. Der See, eigentlich der Kratersee eines Riesenvulkans in den nun selbst wieder drei neue Vulkankegel gewachsen sind, wird dann erst plötzlich sichtbar, wenn man den alten Kraterrand erreicht hat. Die Ausblicke sind dramatisch und, Motorradfahrer aufgepasst, vor allem zwischen Solala und Panajachel immer drauf achten das man die Strasse nicht vollkommen hypnotisiert aus den Augen verliert.

Phantasmagoria

Phantasmagoria

Vulkane machen ja ihr eigenes Wetter, und da es hinterm See direkt von 2000 m üNN hinunter auf die Küstenebene geht, ist die Atmosphäre hier in einem besonderen Aufruhr. Schon zur Mittagszeit ist das Wolkenspiel am Himmel kurzweilig, zum Sonnenuntergang wird aber noch eine Schippe draufgelegt und es werden, jeden Tag aufs Neue und immer wieder anders, Phantasmagorien aus Abendlicht erzeugt.

Leider fordern die ständige Nässe und die anstrengende Fahrerei der letzten Tage ihren Tribut und ich hab ganz schön die Nase voll. Der Schongang wird eingelegt und neben den Wartungsarbeiten an den BMWs und der Begradigung des neulich beim Sturz verbogenen Koffers lassen wirs langsam angehen. Für Extra-Unterhaltung direkt vor der Zimmertür sorgt dabei der Streichelzoo der Hostel-Besitzerin. Am kurzweiligsten sind dabei die beiden Papageien, die nicht nur die Katzen- und andere Tierstimmen verblüffend original nachahmen, sondern auch –im Tonfall ihrer Besitzerin- jeden Besucher mit nem kräftigen „Hola“ begrüßen… inzwischen bin ich mir auch gar nicht mehr sicher ob der Hahn vom Nachbarhof morgens um vier wirklich schon selbst gekräht hat :-D.

und ihr Sprechdouble

und ihr Sprechdouble

Die beiden schrägen Vögel haben auch ein Klettergerüst um sich im ganzen Gebäude bewegen zu können und nicht selten hat plötzlich ein Ara mal kurz über die Schulter geschaut was der Tourie auf dem Balkon denn da so liest. Ich fands zum schießen.

Neben einer Moppedtour, die leider von einem örtlichen Marathon etwas eingebremst wurde, haben wir den See auch per Boot erkundet, so wie richtige Touristen. Das heißt fast, wir haben natürlich keine feste Tour gebucht sondern sind mit den Taxi-Booten der Einheimischen gefahren. Steve, den wir in Belize kennen lernten, wohnt in San Pedro de Laguna, wo ihn jeder kennt und uns den Weg zu seinem Haus beschreiben kann. Sooo bekannt scheint er dann aber doch nicht zu sein 😉 Wir drücken uns den Vormittag im netten, aber ziemlichen Backpackerlastigen Örtchen umher, nehmen dann aber noch das nächste Boot nach Santiago de Atitlan um einen anderen alten Raucher zu besuchen. Maximon (sprich Ma-schi-mohn), der Schutzheilige der Region, wohnt in einer kleinen Hütte irgendwo in Santiago, wo er unablässig raucht und trinkt (http://de.wikipedia.org/wiki/Maximón). Das ganze verräucherte Tempelchen und das Tamtam erinnert mich sehr an einen lamaistischen Lhakhang, nur das hier nicht nur Blumen, Weihrauch und Kerzen geschwenkt werden, sondern auch die Rumflasche und eine große Zigarre kreist.

Der Chef persönlich

Der Chef persönlich

Maximon sitzt, mit seinem Cowboy-Hut und seinen mit Killernieten(!) beschlagenen Stiefeln auf einem Stuhl und zwei Diener klopfen konstant die Asche von seiner brennenden Zigarre bzw. zünden ihm sofort eine neue an, sollte die alte aufgeraucht sein. Auch die Begleitheiligen sind nicht minder skurril, liegt in einem Glasarg noch erkennbar ein Jesus, so sind andere Figuren, bedingt durch das Cowboy-Outfit mit Stiefel und Hut Motörhead-Lemmy deutlich näher als andern Seligen. Eine durch und durch sympathische Religion, vielleicht wurden wir neulich ja genau deswegen befragt 🙂

Bilder vom Lago Atitlan wie immer unter https://moppedrun.wordpress.com/aussichten/zentralamerika/

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