Kleine Abenteuer

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2013/11/15 von Jörn

Auch wenn ich den „Dias de la muertes“ extra meine Totenkopfsocken angezogen habe, zu besserem Wetter trägt das nicht bei. Aber wir haben unseren Holländer wieder. Nachdem sich Maarten ein paar tage am Strand „verfahren“ hatte hat er gemerkt das sich das schnelle Reisen nicht auszahlt; und nachdem er sich in einen Straßengraben verfahren hatte hat er gemerkt das sich das schnelle Fahren nicht auszahlt ;-). Zusammen brechen wir am nächsten regenfreien Tag Richtung Palenque auf. Aber auf diesem Teilstück wird die MEX 199 ihrem Ruf nicht gerecht, die Landschaft is nett, aber zuviel (Schwer-)Verkehr und vielzuviele Topes unterbinden lässiges Dahincruisen – da gibt es in Mexico deutlich nettere Moppedstrecken.

El Pachan ist dagegen sehr nett, eine „Hippie“-Siedlung am Fuße

Dschungel-Hütte

Dschungel-Hütte

der Paleque-Ruinen. Einzelne Cabanjas mit Brückchen verbunden scharen sich um ein Wirtshaus das mit fantastischer handgemachter Pasta, Livemusik und Bongo-Feuershow lockt, komplett versteckt mitten im dichten Urwald-Dschungel – Übernachtungstipp!

Zu den Ruinen ist es eigentlich nur ein kurzes Stück zurück auf die Strasse und um eine Kurve herum, doch in dieser versperrt uns eine große, maskierte und bewaffnete Truppe den Weg. Im kompletten Zapatista-Outfit gewandet (Overall, Balaklava und Machete) wird der Bildungsnotstand angeprangert, der Verkehr gestoppt und für den Lehrerstreik von Passanten eine „Spende“ erbeten. Nix gegen Bildung, aber das mexicaische Lehrer unkündbar bleiben und ihre Posten automatisch an IHRE Kinder vererben können sollen finden wir dann doch recht fragwürdig.

und Dschungel-Krieger

und Dschungel-Krieger

Aber die Dissidenten sind eigentlich ganz nette Typen und dazu kompromissbereit und so können wir wenigstens den ursprünglich geforderten Betrag herunterhandeln und ein Beweisfoto springt dabei auch noch heraus. 🙂

Palenque zeigt sich, vielleicht wegen dieser Straßensperren erstaunlich ruhig, fast schon verlassen. Die Anlage ist zwar erst zu einem sehr kleinen Teil ausgegraben, aber das was zu sehen ist, ist großartig. Nicht nur die Gebäude bezaubern, Palenque bietet darüber hinaus noch ein beachtliches Setting. Genau am Übergang der Küstenebene von Yucatan zu den Bergen gelegen bietet sich von den Pyramiden (die man hier noch besteigen darf!) auf einer Seite eine Blick bis zu Meer am Horizont, umgedreht steigt direkt hinter dem Bauwerk dichter Dschungel steil auf.

Palenque- Postkartenmotiv

Palenque- Postkartenmotiv

Wir schlendern einen ganzen Tag auf dem Gelände herum. Leider sind die ehemals roten und blauen Fassaden inzwischen ausgebleicht und alle Artefakte aus dem Inneren entfernt, diese lassen sich aber im direkt angeschlossenen Museum betrachten und vermitteln einen guten Eindruck wie die Anlage zu Hochzeiten ausgesehen haben mag.  Überhaupt ist der ganze Bereich nicht über-restauriert, aber soweit wieder zurechtgerückt das ein sehr guter Eindruck entsteht, wie dies alles belebt ausgesehen haben mag, dazu noch der Wechsel zwischen offenen Plätzen und schattigen Dschungel, geschmückt mit ein paar schönen Wasserfällen – das macht die Ruinen unbedingt sehenswert.

Ohne Worte

Ohne Worte

700 flache, gerade und stinkelangweilige Kilometer bringen uns dann an das andere Ende der Halbinsel. Ich hatte Yucatan vor ein paar Jahren schon erschöpfend bereist und so langsam reicht´s mir mit Kultur und Landschaft, so trennen wir uns auf, denn mir steht der Sinn nun mehr nach ein paar relaxten Tagen am Strand. Ich möchte euch nicht mit den immer gleichen Karibiktraumstrand-Bildern langweilen (oben blau, unten blau, mittig weißes Korallenmehl, dahinter ein Grünstreifen), aber wenigstens eines sei mir gegönnt, oder?

Tulum als Besonderheit die einzige Maya-Stätte die direkt an einem Strand liegt, ist aber im Vergleich zu den anderen Stränden der Playa-Maya angenehm ruhig und Backpacker-lastig. Ich finde eine Unterkunft im üppig grünen Garten des Rancho Tranquilo, welche zwar alles andere als tranquilo ist, aber wer mehr auf die derben Späßchen steht ist bei Pepe und seiner Truppe ziemlich gut aufgehoben.

Die Tage verfliegen mit Nixtun, nem Ausflug zum Strand und einer Schnorchel- Exkursion in einer der Cenoten. In diesen Unterwasserhöhlen ist das Wasser glasklar und, dies ist   ungewöhnlich, sie sind mit Tropfsteinen angefüllt. DCIM100MEDIAEin Loch im Boden führt in einen wassergefüllten Hohlraum mit mehr als 30m Sicht, überwölbt von einer Stalaktiten-Decke. Das ist schon fesselnd genug. Doch taucht man im Dos Ojos unter ins erfrischen kühle Nass, blickt man in eine faszinierende unwirkliche Unterwasser-Felslandschaft, beschimmert von einem Hintergrund aus tiefen Blau welches durch einen zweiten Höhleneingang entsteht, durch den auch Sonnenlicht dringt.

In Tulum finden die „großen“ Abenteuer aber auch im Kleinen statt: ich war beim Friseur!

Baby-Haar, gesrtiegelt & gebügelt

Baby-Haar, gestriegelt & gebügelt

Ein Langhaar-Blondi im Damensalon, da kümmert sich die Chefin höchstpersönlich selbst. Aber sie ist Profi durch und durch und die Behandlung geht weit über meinen gewünschten Schnitt hinaus.

Pedantisch schneidet sie sämtliche einzeln herausstehend Spitzen, akribisch wird um die Ohren getrimmt und sie kann garnet aufhören mir durchs „Baby-Haar“ zu streichen :-). Bin schon lange nicht mehr so ausführlich frisiert worden und am Schluss gibt’s noch ne schöne Zopf-Frisur dazu, damit die Haare beim kradln net so leiden – da macht selbst der Gang zum Friseur Spaß!

Auch können wir anderen Menschen eine spannende Erfahrung bescheren. In unserer Rancho übernachtet auch ein sehr reiseerfahrenes englisches Rentner-Pärchen, sie sind zB bereits Mitte der 70er von zuhause aus bis nach Australien getrampt . Auch heute sind die Beidenimmer noch kräftig mit dem Rucksack unterwegs, letztes Jahr erst von China über den Karakorum, durch Kaschmir bis nach Ladakh – Respekt! Doch eines haben sie überraschenderweise noch nie getan, und zwar auf einem Motorrad gesessen. Nach nur kurzer Überredung schwingen (naja, kraxeln) sie auf unsere Soziusplätze. Während einer vielleicht nur 10-minütigen Strandrunde sind beide ganz aufgeregt – und bezeichnen die Rundfahrt anschließend tatsächlich als echtes Abenteuer! Beneidenswert, nicht nur das sie sich noch immer nicht vor dem Fernseher zur Ruhe gesetzt haben,  noch immer körperlich und geistig gelenkig sind, nein, auch nach erlebnisreichen Leben lassen sie sich immer noch auch von kleinen Sachen begeistern. Solch eine Einstellung wünschete ich bei mehr Menschen, wirklich beneidenswert!

Mehr Fotos (auch von Strand) wie immer unter Aussichten/USA&Mexico

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