Auf Gräbern tanzen

Hinterlasse einen Kommentar

2013/11/10 von Jörn

Seit Tagen werden wir nun pausenlos rumgereicht, von Leon nach Celaya und anschließend weiter nach DF. Alejandra & Uli, Birgit & Stefan, Niamh & Sergio zeigen uns ihr Mexico, wie sie wohnen, arbeiten und feiern – noch mal herzlichen Dank an euch alle, solche Einblicke wären ohne euch nicht möglich, dabei sind sie das Salz in der Reisesuppe (und ein Extra-Danke an Ian & Declan das ihr uns so selbstlos eure Eltern für vier Tage ausgeliehen habt;-) )!

Angehende Motorradbande

Angehende Motorradbande

Eigentlich hätten wir ja um DF einen großen Bogen gemacht, aber dank unserer Freunde im Zentrum entdecken wir auch die schönen und ruhigen (ja die gibt es) Seiten der Multimillionen-Stadt. Sergio erweitert nicht nur unseren Spanisch-Wortschatz über das Pocoyo-Niveua heraus, sondern fährt uns auch unermüdlich durch das Strassengewirr der Metropolregion (besos!), so dass die Moppeds ausnahmsweise tagelang unbewegt bleiben. Ich bin allerdings froh als es nach der dritten Großstadt-Etappe in Folge endlich wieder in die Provinz geht. Dabei ist der Verkehr in der Hauptstadt gar nicht mal so anstrengend wie befürchtet. Klar, auf den Strassen ist viel los, aber das Chaos hält sich in Grenzen, ebenso wenig wird aggressiv gefahren, und wenn man die Einbahnstrassen-Regelung verstanden hat, die morgens in die eine und abends in die andere Richtung geht, dann sind selbst die Klippen von DF schiffbar.

Landschaftlich ist die Ausfahrt aus DF vom Popocatepetel geprägt, wahrscheinlich DAS Wahrzeichen der Hauptstadt, wenn nicht sogar ganz Mexikos, aber erst weit hinter Puebla lässt der Verkehr endlich nach und die Strassen werden wieder klein, kurvig und erfreulich. So macht die Anfahrt auf Oaxaca viel Spaß, wie auch die MEX 190 weiter von dort Richtung Tehuantepec eine kurzweilige Alternative zur Schnellstrasse darstellt. Generell sind in und um die Ballungsgebiete die Mautstrassen alternativlos, doch südlich von DF gibt es parallel zu den „Quota“-Highways meist noch die „alten“, kostenlosen Libre-Fernstrassen, die nur unwesentlich länger, aber oft, zumindest für Motorradreisende, wesentlich schöner zu befahren sind.

Dieser Hahn hat verloren!

Dieser Hahn hat verloren!

Allerdings lauert in Oaxaca eine ganz besondere Gefahr am Straßenrand: Pollo con Mole! Wir sind im Nabel der mexikanischen Küche und die sagenumwobene Schokoladen-Chilli-Soße (http://de.wikipedia.org/wiki/Mole_(Speise)) wird hier in unzähligen Variationen angeboten, so das tatsächlich der Eindruck entsteht als wollten uns die Einheimischen mit Schokolade vergiften (Erbsi: Danke für die Warnung). Aber ich kann euch beruhigen, selbst der frühmorgentliche Angriff eines halben Hahns in Schoko-Pampe lässt sich überleben, am sichersten indem man das Tier einfach ganz aufisst. 😉

Wir überqueren den Isthmus von Tehuantepec, eine Region die immer wieder als Alternativstrecke zum Panama-Kanal zur Diskussion stand und steht.

Aktuell 0,0 Gigawatt

Aktuell 0,0 Gigawatt

Doch die Landenge ist nicht nur schmal sondern auch flach und auch ohne Kanal presst der Wind so heftig durch den Gebirgseinschnitt das hier ein Windenergie-Potential von ca. 10 Gigawatt geschätzt wird. Ein paar GW davon werden bereits genutzt, doch als wir den Isthmus frühmorgens queren ist von berüchtigtem Wind gar nichts zu spüren und die Wälder aus den lokal sehr umstrittenen Windrädern stehen in der Flaute absoluter still, ein gespenstischer Anblick.

Nun sind wir endgültig im touristischen Brennpunkt Mexicos angekommen und befahren den  „Gringo Trail“; zwischen den Bezirken Oaxaca, Chiapas und der Stränden von Quintana Roo reihen sich die Sehenswürdigkeiten wie die Perlen auf einer Kette.

Einstieg für uns ist die Sumideros-Schlucht, eines der wenigen Staatswappen die sich per Boot befahren lassen. Von den beeindruckenden Höhen haben sich einst die widerspenstigen Mayas lieber zu Tode gestürzt als sich den Spaniards zu ergeben und man kann sich noch heute die überraschten Gesichter der Conquistadores vorstellen.

Sumideros-Schlucht

Sumideros-Schlucht

Unwegsames Gelände und unbeugsame Einheimische… da haben die Eroberer dann doch lieber die Bezirkshauptstadt nach San Christobal de la Casas verlegt, die angeblich schönste Stadt Mexicos. Die Strecke dorthin (Mex 190/Mex 199), ist angeblich auch die landschaftlich schönste in ganz Mexico, doch leider kriegen wir davon wenig mit. Beim Start in Chiapa schwitzen wir noch bei über 30°C unsere Moppedklamotten kräftig von innen nass, doch keine Stunde später verschwindet die Welt im dichten Nebel und keine Sekunde zu früh ziehen wir die Regenpelle über, kurz bevor ein Vorhang aus Wasser niedergeht und uns auch noch von Aussen wässert. Die schöne Strecke verschwindet im Dunst und die schönste Stadt empfängt uns trübe und mit Wasser in den Stiefeln. Aber nicht nur deshalb tritt bei mir so langsam eine Sättigung in Sachen mexikanischer Kolonialstädte eine. Ja, es ist nett hier, Guanajuato hat mir aber Klassen besser gefallen.

Aber wir sind nicht wegen dem Stadtbild hier, wir möchten hier die „Dias de la muertes“ feiern, den Tag der Toten. San Christobal ist keine Hochburg wie zB Oaxaca (wo eine ganze Woche lang sogar mit Umzügen zelebriert wird), aber für zwei Tage ist auch hier auf dem Friedhof Party angesagt. Ganze Familien, 10-15 Personen, versammeln sich auf und in den Gräbern, die manchmal das Format von kleinen Häusern und das Aussehen von Kathedralen haben. Die „Ruhe“stätten sind blumengeschmückt, ein Grill wird aufgestellt, Bier wird gereicht, aus kühlschrankgroßen Boxen dröhnt Musik, es wird gelacht, die Tequila-Flaschen kreisen und sogar die eine oder andere Mariachi-Band

Mariachis am live am Grab

Mariachis live am Grab

spielt live zum Tanz auf – alles zwischen und auf den Gräbern, der ganze Friedhof voller feiernder Menschen. Dann kommt der altbekannte Nachmittagsschauer und leert die Reihen, doch ein paar Unverzagte lassen sich davon nicht stören, rutschen unter den Dächern zusammen oder spannen einfach Plastikplanen auf. Man darf ungeniert Fotografieren und wenn man dabei „erwischt“ wird, wird man sofort zur Teilnahme am Umtrunk herangewunken. Festivalsfeeling auf dem Totenacker, eine erfrischend andere Haltung gegenüber den Verstorbenen, deutlich relaxter als man von Europa gewohnt ist.

Fotos wie immer unter https://moppedrun.wordpress.com/aussichten/usa-mexico/

Werbeanzeigen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

Kalender

November 2013
M D M D F S S
« Okt   Dez »
 123
45678910
11121314151617
18192021222324
252627282930  

Kategorien

%d Bloggern gefällt das: